The Fruit Tree Foundation - First edition

The Fruit Tree Foundation- First edition

Chemikal Underground / Rough Trade
VÖ: 12.08.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Nicht weit vom Stamm

Es gibt immer auch die Kehrseite der Medaille. Künstler, die sich mit humanistischem Engagement um die Popmusik verdient gemacht haben, kennen sie zur Genüge: Erscheinen diese hin und wieder auf der Bildfläche, ist man gleich versucht, mit der Frage "Welchen Grund zur Mildtätigkeit gibt es denn heute?" auf den Lippen zur Brieftasche zu greifen, statt sich für ihren musikalischen Output zu interessieren. The Fruit Tree Foundation machen es darum eine Nummer kleiner: Nicht Weltfrieden oder Hungerhilfe hat sich die schottische Supergroup um die frühere Delgados-Sängerin Emma Pollock und Idlewild-Gitarrist Rod Jones auf die Fahnen geschrieben, sondern die Enttabuisierung psychischer Krankheitsbilder und deren musikalische Interpretation.

Beide brauchten anlässlich des 2010er "Scottish Mental Health Arts And Film Festival" nur zu trommeln, und schon standen sie alle auf der Matte: Frightened-Rabbit-Frontmann Scott Hutchison, James Graham von The Twilight Sad, James Yorkston, Alasdair Roberts - um nur die Bekanntesten zu nennen. Zusammen mit anderen Kollegen gaben sie sich gegenseitig Mikro und Instrumente in die Hand und taten dabei das, was sie am besten können: eine ganze Menge. Denn mit fein gewebten Folk-Texturen, dynamisch-mehrstimmigem Indie-Rock und gravitätischer Shoegaze-Schwermut versammelt "First edition" alles Gute aus ganz vielen schottischen Musikwelten. Und Bäumchen-wechsel-Dich heißt es hier auch bei der Rotation der insgesamt neun Musiker.

Zwar fällt der Apfel oft nicht weit vom Stamm, doch die von knackig-straight bis balladesk glühend reichenden Songs kommen auch bei den ungewöhnlicheren Konstellationen hervorragend zusammen. Wer für gewöhnlich rockt, darf auch einmal seufzen, wer normalerweise kriecht, legt eine schnelle Runde ein - und nicht nur die Obengenannten sind trotz ernsten Überbaus bester Laune, sondern auch Jill O'Sullivan von Sparrow And The Workshop und die Songwriterinnen Karine Polwart und Jenny Reeve tun munter mit. Und in der Tat ist hier weit mehr Bewegung drin, als der zu Anfang von Hutchison und Graham zurückhaltend intonierte Klampfer "Splinter" ahnen lässt.

Vor allem, wenn Pollock zusammen mit Yorkston den ruppigen Rocker "Forgotten anniversary" raushaut und Graham den großartig schmatzenden Stampfer "Favourite son" in einen hochfahrenden Refrain überführt. In der anderen Ecke stehen der pittoreske Dream-Folk von "Tooth and claw", der O'Sullivan und Reeve in trauter Harmonieseligkeit zeigt, oder Yorkstons und Roberts' bassig bauchgrimmendes Akustik-Mantra "Beware beware". Bemerkenswert locker macht sich Hutchison bei "Singing for strangers", und "All gone but one" jagt den sonst eher daherschlurfenden Graham im Affenzahn vor sich her. Und so erstaunt, amüsiert und betört "First edition" gleichermaßen und verströmt nie den Mief, zu dem gut gemeinte Charity-Projekte mitunter neigen. "Where is a change when you need one?", fragt O'Sullivan am Ende und meint das wahrscheinlich inhaltlich - musikalisch geben The Fruit Tree Foundation nämlich eine überzeugende Antwort.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Forgotten anniversary
  • Favourite son
  • Beware beware
  • Singing for strangers
  • All gone but one

Tracklist

  1. Splinter
  2. Forgotten anniversary
  3. Favourite son
  4. I forgot the fall
  5. Beware beware
  6. Dead leaves and a swollen leg
  7. Singing for strangers
  8. Fall arch
  9. All gone but one
  10. After hours
  11. The untrue womb
  12. Tooth and claw
  13. Hired help
  14. Just as scared

Gesamtspielzeit: 50:07 min.

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User Beitrag
seno
2011-11-22 21:55:38 Uhr
Seit wann genau hast du diese Gabe? Bands anhand ihres Namens zu beurteilen? Damit könntest du viel Geld verdienen, ist dir das bewusst?
saug
2011-11-22 21:53:16 Uhr
@Beifallklatscher

Hab seitdem ich das geschrieben hatte nicht mehr hierrein geguckt.
Aber auch wenn deine Frage jetzt 3 Monate her ist beantowrte ich sie natürlich gerne:
Nein, ich habe keinen ton davon gehört, und will es auch nicht, weil ich jetzt schon weiß dass das der letzte dreck ist.
seno
2011-11-22 21:04:30 Uhr
Sehr schönes Album übrigens.
Erinnert mich teilweise ziemlich an Idlewild und Frightened Rabbit, was auch völlig in Ordnung ist, da ich beide Bands sehr mag.

Gutes Ding. Die Herrschaften dürfen ruhig mehr zusammen machen, wenn ihnen mal wieder langweilig ist oder sie einen guten Zweck unterstützen wollen.
Beifallklatscher
2011-08-15 13:30:32 Uhr
Danke, keine Antwort ist Antwort genug...
Beifallklatscher
2011-08-13 23:11:48 Uhr
@ saug: Hast du Dummschwätzer auch nur einen einzigen Ton von dem Projekt gehört?
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