CSS - La liberación

CSS- La liberación

V2 / Cooperative / Universal
VÖ: 19.08.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Alles beim Neuen

Auch das Neue wird alt werden. Das galt für CSS schon 2006, denn als sich Sub Pop erbot, das Debüt der Brasilianer international zu veröffentlichen, hatte "Cansei de ser sexy" bereits über ein Jahr auf dem Buckel. Dem tanzenden Indie-Volk war's egal: Die Sprache von "Let's make love and listen to Death From Above" verstand jeder, Frontfrau Lovefoxxx markierte als "Art bitch" den hedonistischen Widerpart zum Kunstakademie-Feminismus von Le Tigre oder Chicks On Speed, und "Meeting Paris Hilton" stellte mit zickigem Maschinengeplucker klar, dass es eigentlich um Pop geht. Also doch nichts ganz Neues - aber wunderbar Lo-Fi und krachledern charmant.

Dem vergleichsweise ultraclean produzierten Nachfolger "Donkey" ging dieser krude Charme allerdings etwas ab, und auch "La liberación" schweinigelt mehr im textlichen als im musikalischen Bereich. Alles beim Neuen sozusagen: Flink wie motorisierte Wiesel geht es durch die aufgekratzten Songs, in denen Lovefoxxx einmal mehr von Joints und One-Night-Stands erzählt und gesellschaftlicher Engstirnigkeit und Establishment ein herzliches "Fuck everything" entgegenschleudert. Dass dieses Album zumindest mit seiner Poliertheit im Sound heftig Einlass bei Letzterem begehrt, ist zwar durchaus ein Widerspruch - den man angesichts des saftigen Spektakels aber auch geflissentlich ignorieren kann.

Spaß machen CSS schließlich immer noch - sie halten sich nur mehrheitlich an die Spielregeln. Doch wer könnte einer Band, die bereits im Vorprogramm von Gwen Stefani eine gute Figur machte, diesen feuchthosigen, kunterbunten Pop verübeln? Schon zu Anfang kieksen die Keyboards vor lauter Vorfreude auf den ohrwurmigen Klopfer "I love you" - ein Song, der trotz der inhaltlichen Tiefe einer Bierpfütze seiner Interpretin mit fröhlichem Ungestüm ganz hervorragend zu Gesicht steht. Große Augen und große Klappe überall - vom Bandblog, auf dem Lovefoxxx unlängst mittels Fotografien von Gesäßöffnungen ihre Abneigung gegenüber Twitter-Fakes kundtat, ganz zu schweigen. Doch das ist eine andere Geschichte - und "La liberación" mehrheitlich ein quietschiges Vergnügen.

Besonders bei der swingenden Electro-Pop-Albernheit "Hits me like a rock", wo Bobby Gillespie von Primal Scream mitnuscheln darf, oder dem groben Bums von "City grrrl", das Nelly Furtados "Maneater" um elektronisches Röhren anreichert und mitsamt Trompete ins Dance-Wunderland schickt. Wenn alle Songs so schlüssig wären wie dieses hybrid mäandernde Brett, müsste man gar nicht von alt und neu sprechen. Spätestens mit dem platzenden Stromgitarren-Punkrock des Titelstücks bringen CSS auch den letzten Körper auf die Party - da interessiert es dann schon fast nicht mehr, dass sich die Band hier vor einer endgültigen Standortbestimmung erneut drückt. Und eine der brennendsten Fragen unserer Zeit weiterhin unbeantwortet bleibt: Geht es im Grunde nur um Sex?

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Hits me like a rock
  • City grrrl
  • La liberación

Tracklist

  1. I love you
  2. Hits me like a rock
  3. City grrrl
  4. Echo of love
  5. You could have it all
  6. La liberación
  7. Partners in crime
  8. Ruby eyes
  9. Rhythm to the rebels
  10. Red alert
  11. Fuck everything

Gesamtspielzeit: 40:53 min.

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