Clinic - Walking with thee

Clinic- Walking with thee

Domino / Zomba
VÖ: 25.02.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gesundheitsdeform

Da sind sie wieder, die Irren aus der Liverpooler Clinic. Mit Harmonika und Schrammelgitarren zogen sie vor knapp zwei Jahren aus, um ihre Neurosen unters Volk zu tragen. "Internal wrangler" war ein Schlag ins Gesicht des Wohlklangs und warf doch mit "The second line" einen Hit ab, wie man ihn sich abseitiger kaum vorstellen könnte. Psychosen frei Haus.

"Walking with thee" macht nun genau dort weiter, wo uns Clinic beim Eingang zur Geschlossenen zurückgelassen haben. Im Velvet Underground ausgebildet naschen sie auch weiterhin an New Wave und Krautrock. Ade Blackburns Kopfstimme quengelt und nörgelt vor sich hin, und seine Kollegen reduzieren den Klang aufs Wesentliche. Starrköpfig geben repetitive Rhythmen den Puls vor. Mantraartig werden Melodiebögen wiederholt. Riffs kreiseln um sich selbst, bis sich der Kopf von ganz alleine dreht. Monoton und hypnotisch fräsen sich die Songs in die Hirnrinde und überlassen den Gitarren die gesiebte Luft einer Gummizelle.

Eiskalt kriecht es dem scheinbar unbeteiligten Zuhörer den Rücken hoch, wenn in "Harmony" das Innerste durchleuchtet wird. "Fill yourself with dreams" heißt es, und der Albtraum kichert zum unheimlichen Jaulen der Mundharmonika. Mit georgelten Sägezähnen nagt die Single "Walking with thee" am Verstand, während die Gitarre dröhnt, als wäre sie im vorherigen Leben mal Sirene gewesen. Hypnotisch gleitet später "Come into our room" auf elektrischen Gleisen dahin. Blackburn flüstert betörend und versucht sich als sinistrer Verführer. Doch hier gibt es Zwangsjacken statt Keuschheitsgürteln.

Urplötzlich hüpft ein räudiger Kobold hervor und wackelt mit dem Arsch wie einstmals Elvis. "Welcome" preßt er zwischen seinen Zähnen hervor, während der Baß wabert und die Gitarre im Medikamentenschrank wildert. Noch starrt der Zuhörer nur fassungslos, bis ihm der Kobold plötzlich als tobender "Pet eunuch" vor die Füße rotzt. Mit klebstoffschüffelnden Gitarren wird ihm langsam Gehirnzelle um Gehirnzelle aus dem Schädel geschmirgelt. Aber keine Sorge, Dr. Blackburn ist ja da, um sich um den Patienten zu kümmern. Fragt sich nur, was er mit den beiden dicken Stromkabeln will, die er in der Hand hält, als er sich über den Behandlungstisch beugt.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Harmony
  • Welcome
  • Come into our room
  • The bridge

Tracklist

  1. Harmony
  2. The equalizer
  3. Welcome
  4. The vulture
  5. Come into our room
  6. Pet eunuch
  7. Mr. Moonlight
  8. Sunlight bathes our room
  9. Walking with thee
  10. The bridge
  11. For the wars

Gesamtspielzeit: 38:22 min.

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