Kathryn Calder - Are you my mother?

Kathryn Calder- Are you my mother?

File Under: Music
VÖ: 29.08.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Feurios

"Are you my mother?", fragt Kathryn Calder ganz nonchalant auf ihrem Debütalbum. Und bevor jetzt 50.000 Damen "Ja, hier!" schreien und sich als Mutter ausgeben, sei ihnen mitgeteilt, dass die Kanadierin ihr Album zuhause bei ihrer kranken Mutter aufgenommen hat und der Titel einem Kinderbuch von P.D. Eastman entstammt. 50.000 Menschen könnten jedoch beim Namen Kathryn Calder einen Aha-Effekt erleben, denn sie ist seit 2005 Mitglied der New Pornographers und Nichte von A.C. Newman. Immerhin erreichte das letzte Album der Band "Together" die Top 20 der Billboard-Charts, und das will etwas heißen. Calder klingt auf ihrem Debüt nun wie eine reduzierte Auflage eines Albums ihrer Band. Ruhige melodische Momente münden in krachige Orgien - und anders herum.

So richtig los geht es erst mit "Low", dem zweiten Stück des Albums, auf dem Neko Case mitwirkt. Den größten Part übernimmt Calder jedoch selbst. Ihr klassischer Gesang paart sich mit modernem Pop und ausgefeilter Instrumentierung, so wie man es aus ihrem Umfeld gewohnt ist, nur dass hier alles noch ein wenig konzentrierter daherkommt. Und ein wenig lieblicher, wie das kurze Stück über die Dioskuren (Söhne des Zeus) "Castor and Pollux" beweist. Dies schlägt sich bis auf das Artwork nieder: Im Booklet gibt es eine Bastellandschaft, bei der ein fröhlicher Hase auf einem Feld vor einem ausbrechenden Vulkan sitzt. Man könnte es die Ruhe vor dem Sturm oder besser vor dem Feuer nennen. Musikalisch passend dazu das beste Stück des Albums: "Arrow". Calder sitzt am Piano, dazu gesellt sich ein Mellotron, und die großen Worte lauten: "I'm still hearing phantom waves, fire away / I still have my better days, fire away / What more can I do but say "Fire away, fire away."

Gefolgt wird "Arrow" von einem dieser kleinen Ausbrüche: "If you only knew" trumpft groß auf und greift sich einen Zusatzbass sowie einen schmucken Männerchor. "Follow me into the hills" nimmt sich dann im Anschluss das Recht heraus, ein wenig Rock'n'Roll zu liefern. Die 50.000 Fans dürfen hier gerne die Tanzfläche stürmen. Allerdings wird diese wahrscheinlich eher in der freien Landschaft zu finden sein als in einem Großraumclub. Danach wird es mit der Ausnahme von "Down the river" wieder einige Nuancen gemächlicher. Mit dem zweiten Stück unter Mitwirkung von Neko Case wird es sogar noch einmal überwältigend. Das akustische "So easily" gefällt als traurige Ballade.

"Are you my mother?" ist somit mehr als nur ein Quantum Trost für alle Begeisterten, die so sehnsüchtig auf ein neues Album der New Pornographers warten. Es bekämpft Feuer mit Feuer, ist Wasser auf die Mühlen - und damit ähnlich elementar wie ein Song ihrer Hauptband.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Low
  • Arrow
  • If you only knew
  • So easily

Tracklist

  1. Slip away
  2. Low
  3. Castor and Pollux
  4. Arrow
  5. If you only knew
  6. Follow me into the hills
  7. Down the river
  8. A day long past its prime
  9. So easily
  10. All it is

Gesamtspielzeit: 36:14 min.

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