Uphill Racer - How it feels to find there's more

Uphill Racer- How it feels to find there's more

Normoton / Al!ve
VÖ: 24.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

An alle

Elektronische Musik aus Deutschland hat seit vielen Jahren nicht zuletzt dank The Notwist einen immer besseren Ruf rund um den Globus. Viele weitere Bands könnte man nennen, allein der Platz würde nicht ausreichen, um der Vielfalt tatsächlich gerecht zu werden. Im Schatten der Großen, ganz still und heimlich, machte sich Oliver Lichtl aus Oberbayern unter dem Künstlernamen Uphill Racer in den letzten Jahren an die Arbeit, Stück für Stück mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Mit seinem mittlerweile vierten Studioalbum "How it feels to find there's more" und einer beeindruckenden Liste an Gästen sollte Lichtls Projekt nun endlich die Zuwendung zuteil werden, die es verdient. Denn dieses Album protzt nicht nur mit Namen, sondern macht auch etwas aus seinem Fundus an höchst unterschiedlichen Sängern.

Lichtl fungiert dabei zunächst als eine Art Vorarbeiter und bereitet aus Bass, Beats und Melodien die Leckerlis, an denen sich die Anderen laben können. Die Anderen, das sind in diesem Fall unter anderem Judith Heusch von Patty Moon, die im nicht mal zwei Minuten langen Opener ausgestreckt über einen Synthielayer zeigt, wie "schön" klingen kann, sich dabei aber charmant zurückhält. Aydo Abay, Frontmann von Ken und Ex-Blackmailer, darf sich in "The automatic function" mit viel Hall und umlegt von nervösem Beat-Geblubber ausleben, das in seiner Undurchlässigkeit sehr an "100th window" von Massive Attack erinnert. Abay klang wohl noch nie so mechanisch kühl wie in diesem kalt vor sich hintröpfelndem Regenguss eines Songs. Auch Chris Neuburger von Slut und Sometress Bernd Bauerochse leihen dem Flirren und Surren von "How it feels to find there's more" ihre Stimmen. Im Grunde versammelt Uphill Racer auf diesem Album die halbe deutsche Indie-Szene und schafft es, aus so vielen Unterschiedlichen Gästen und Einflüssen ein Album wie aus einem Guss zu zaubern. Obendrauf packt Lichtl noch Shara Worden von My Brightest Diamond, und fertig ist das Indie-Wohlfühl-Paket.

Der größte Trumpf im Ärmel ist aber das liebliche "Heaven knows I did my best", für welches Lichtl tatsächlich die bezaubernde Amanda Rogers gewinnen konnte. Diese veröffentlichte ja nicht nur mit "Heartwood" ein hervorragendes Soloalbum, sondern ist auch Teil des Folk-Duos The Pleasants. Nach und nach gewinnt der Song an Fahrt, die Beats werden hektischer, allerdings - und das ist das Beeindruckende am gesamten Album - ohne die Künstlerin damit zu überfahren oder an den Rand zu schieben. Alles, was an Sounds und Flächen von Lichtl geliefert wird, drängt sich nicht auf, sondern verbrüdert sich gleichberechtigt mit dem Gast. Erst so verzahnen sich die einzelnen Versatzstücke zu einem sehr schönen und schwelgerischen Elektro-Pop-Album, das mit seinen rund 66 Minuten eventuell etwas zu lang geraten ist, wenn man hier überhaupt von einem Makel sprechen möchte. Der Star ist nicht Uphill Racer, ist nicht die beeindruckende Gästeliste, sondern ist einzig und allein der Song. "How it feels to find there's more" ist damit eine der schönsten Überraschungen der hiesigen Musikszene 2011.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Naissance (Feat. Patty Moon)
  • The automatic function (Feat. Aydo Abay)
  • Overfrail (Feat. Shara Worden)
  • Heaven knows I did my best (Feat. Amanda Rogers)

Tracklist

  1. Naissance (Feat. Patty Moon)
  2. From miles (Feat. Betty Mugler)
  3. The automatic function(Feat. Aydo Abay)
  4. Bright curious endless (Feat. Karoline Schaum)
  5. Lightspeed (Feat. Chris Neuburger)
  6. Overfrail (Feat. Shara Worden)
  7. Heaven knows I did my best (Feat. Amanda Rogers)
  8. Bones (Feat. Liris Viljanen)
  9. Your new brother (Feat. Hannah Fury)
  10. Wave & sea (Feat. Bernd Bauerochse)
  11. Haunonei (Feat. Anastasia Gushchina)
  12. Applause (Feat. Rebecka M. Wallgren)
  13. Gone with eastern winds (Feat. Kristof Deneijs)
  14. Kite (Feat. Patrick Haid)
  15. Requiem for my friend (Feat. Rosalie Eberle)
  16. Renaissance

Gesamtspielzeit: 66:34 min.

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