Peter Murphy - Ninth

Peter Murphy- Ninth

Nettwerk / Soulfood
VÖ: 03.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Ruhe und die Kraft

Es ist eine Crux mit den Ikonen: Will man ihnen Gerechtigkeit wiederfahren lassen, verbietet sich meist jedes Wort der Kritik. Eine schlechte Platte wird als Ausrutscher verziehen oder in der Retrospektive verschwiegen, und bei jeder guten Veröffentlichung zementieren sie zwar ihren sakrosankten Status, allzu große Überraschungen erlaubt der stets etwas konservative Fan jedoch selten. Als Ikone lebt man wohl ewig in der Vergangenheit. Und die obsessive Anhängerschaft erst: Für sie ist jede neue Veröffentlichung der alten Heldinnen und Helden wie Heimaturlaub von der Front der aktuellen Trends und Moden. Die neuen Platten sind für sie Oasen der Nostalgie, herbeigesehnt in den harten Zeiten, in denen die taufrischen Popstars um die 30 das Hier und Jetzt bestimmen.

Peter Murphy zumindest ist noch da - jener nach wie vor ziemlich schräge, ziemlich kluge und sehr charismatische Opa der Gothicszene. Mit letzterer hat "Ninth" eigentlich nur noch wenig am Hut. Zum einen, weil die Szenezugehörigkeit und die ollen Kategorisierungen bei der Kunstfigur Murphy ohnehin ziemlich schnuppe sind. Zum anderen, weil eben jene mit "Ninth" erneut voll auf der Höhe ist, oder besser: über den Dingen steht. Murphy muss sich auch im Jahre 2011 keine Sorgen machen, bei der Leistungsschau im Raubtierpop schlecht auszusehen. Er nämlich ist es, der das Maximum aus den geradlinigen, effektiven Songs herausholt. Zwischen Rock und Edelpop dienen sie dem Meister als Spielwiese. "Ninth" umweht eine spürbare Lässigkeit, trotz seiner durchaus rockigen Ausrichtung und Murphys gewohnter Theatralik. Bei allem Hang zur großen Geste scheinen die dunkle Melancholie und der gekränkte Stolz meist nur zwischen den Zeilen durch.

Freilich ist die Eingängigkeit, die "Ninth" ausstrahlt, längst kein Zeichen für die Zahnlosigkeit des offenkundig in sich ruhenden Meisters. Wenn seine Band nämlich doch mal auf den Verzerrer tritt, schwingt sich Murphy souverän zur Höchstform auf: So beim muskulösen Rock von "The prince and old lady shade" oder dem an Killing Joke erinnernden "Even and brittle", die besonders im Gedächtnis bleiben. "Ich bin eine unfassbar strahlende Ikone", meinte Murphy jüngst in einem Interview. Große Klappe, viel dahinter.

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • I spit roses
  • The prince and old lady shade
  • Uneven and brittle
  • Secret Silk Society

Tracklist

  1. Velocity bird
  2. See saw sway
  3. Peace to each
  4. I spit roses
  5. Never fall out
  6. Memory go
  7. The prince and old lady shade
  8. Uneven and brittle
  9. Slowdown
  10. Secret Silk Society
  11. Crème de la crème

Gesamtspielzeit: 46:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
CharIotte
2014-04-08 11:55:36 Uhr
Dank Amazon brauche ich kein Bauhaus mehr.
Philipp Mainländer
2014-04-08 11:45:01 Uhr
Zehntes Soloalbum "Lion" kommt am 3. Juni.

Record Store Day Single voarb.


https://www.facebook.com/justforlovelion/info
carpi
2013-05-22 10:05:41 Uhr
Morgen spielt P. Murphy in Karlsruhe ausschließlich Bauhausmaterial, bin mal gespannt.
Nicklas
2011-07-09 11:03:51 Uhr
Oh weh,
Du kitzelst mit Deiner reifen und bedachten Art einfach alle Abgründe aus den Menschen heraus.

Aber ich wäre dennoch sehr gespannt, ich verstehe es einfach nicht.
Svem
2011-07-09 04:18:01 Uhr
War mir eigentlich klar NICKLAS, dass DU dies nicht verstehen wirst! Machst Dich gerade ein bisschen zum Äffchen... :)
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