The King Blues - Punk & poetry

The King Blues- Punk & poetry

Transmission / Rough Trade
VÖ: 15.07.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Spaß gegen Böse

Niemand ist perfekt. Ich nicht, Du nicht, der Rest der Gesellschaft genauso wenig. Das klingt natürlich zunächst einmal ernüchternd. Andererseits ist es aber auch gut, dass es soziale Missstände, korrupte Politiker und fiese Schulhofschläger gibt. Denn wäre jeder Mensch cool und alles plüschrosa, hätten Bands wie The King Blues nichts, wogegen sie ansingen können. Und das tut das Sextett auf seinem dritten Studioalbum beherzt. So beherzt, dass "Punk & poetry" und die Vorabsingle "We are fucking angry" im Vereinigten Königreich für amtliche Begeisterungsstürme sorgten und The King Blues binnen kurzer Zeit vom Geheimtipp zu Szenelieblingen avancierten.

Und das absolut zu Recht. Sänger Jamie "Itch" Fox und seine fünf Mitstreiter haben ein unerhört eingängiges Punkalbum in der Tradition großer Urväter wie The Clash und Rancid erschaffen. Eines, das sich weder festlegen noch eingrenzen lassen will. "This is for the outcasts, the freaks and the schemers", verkünden The King Blues zwar im Opener "The last of the dreamers" - doch sie trotzdem laden jeden auf die Tanzfläche ein, der mitmachen will. Auf "Punk & poetry" klatschen sich Ska und Electro mit den räudigen Punk-Gitarren ab. Selbst in den wütendsten Liedern des kurzen, knackigen Albums wird gegroovt statt geprügelt. Und stets ist die melodisch vorgetragene Message wichtiger als hohles Gebrülle. Im Gegensatz zu so manch engstirnigen Genrekollegen haben The King Blues darüber hinaus Texte zu bieten, die bei aller Wut und Angepisstheit niemals dumpf daherkommen. So auch in "We are fucking angry", dieser mitreißenden Hymne, bei der sich die Faust automatisch ballt und gen Himmel schnellt.

Doch hat "Punk & poetry" sein Pulver damit beileibe noch nicht verschossen. Das nachfolgende "Set the world on fire" verbindet Kritik an der Arroganz der westlichen Welt mit einem ansteckenden Refrain, während "I want you" und "Headbutt" vor melodieseliger Power fast zu zerplatzen drohen. Noch besser ist die melancholische Ska-Nummer "The future's not what it used to be", in der ein anmutiger Mad-Caddies-Groove plötzlich zu einer trotzigen Bridge anschwillt. "It's just the way we're living / And we will never give in / To this -ism schism prison / That all men and women live in", platzt es aus Fox heraus, ehe der Song wieder ruhig der ungewissen Zukunft entgegen schunkelt. Ganz am Ende des Album erzählt Fox in "Everything happens for a reason" die sehr persönliche Geschichte seiner Teenagerjahre, in der sich Rückschläge und Hoffnungsschimmer abwechseln. Das Resultat ist ein überraschend ergreifendes Stück, das womöglich das absolute Highlight der Platte darstellt. Doch würde eine solche Auswahl einem durch die Bank starken Album unrecht tun. Wir sind doch keine Perfektionisten.

(Mark Read)

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Highlights

  • We are fucking angry
  • Set the world on fire
  • The future's not what it used to be
  • Everything happens for a reason

Tracklist

  1. The last of the dreamers
  2. We are fucking angry
  3. Set the world on fire
  4. Dancehall
  5. The future's not what it used to be
  6. I want you
  7. Five bottles of shampoo
  8. Sex education
  9. Shooting fascists
  10. Headbutt
  11. Does anybody care
  12. Everything happens for a reason

Gesamtspielzeit: 30:06 min.

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