Joy Division / New Order - Total: from Joy Division to New Order

Joy Division / New Order- Total: from Joy Division to New Order

Rhino / Warner
VÖ: 10.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nachgeschmack

Die chronologische Aufbereitung zweier prägender Bands, deren Vergangenheit unterschiedlicher nicht sein könnte: Als sich Joy Division nach dem Tod von Sänger Ian Curtis 1980 zu New Order transformierten, hinterließen sie ein Werk von nur zwei Studioalben - "Unknown pleasures" und "Closer". New Order hingegen sind nach über dreißig Singleauskopplungen aus acht Alben (und diversen Compilations) noch immer halbwegs aktiv - wenn auch getrennt und unter fremden Flaggen, so unter anderem als Bad Lieutenant. Deshalb ergibt sich auf der nun aufgelegten Retrospektive "Total: from Joy Division to New Order" ein Verhältnis von 5:13, welches zugunsten New Orders ausfällt. Diese bedienen dann auch die Frage nach neuem Material, in Form des Kaufanreizes "Hellbent" - ein Stück, das als glatter, gefälliger Radio-Britpop daherkommt.

Doch trotz des eher unspektakulären Singlezusatzes stehen die Titel beider Bands für sich. Den Auftakt in die Dunkeseite des Doppel­Best­Ofs macht "Transmission" aus dem Jahre 1979, gefolgt von "Love will tear us apart". Nach wenigen Minuten ist der Joy-Division-Schnupperkurs dann auch schon wieder vorbei und schließt mit dem prächtig getragenen "Atmosphere". An der Qualität der ausgewählten Stücke ist nach wie vor nicht zu rütteln. Bedauernswert jedoch, dass es von "Unknown pleasures" und "Closer" lediglich "She's lost control" und "Isolation" auf "Total" geschafft haben. Interessant hingegen ist New Orders erste Veröffentlichung, bereits wenige Monate nach Curtis' Suizid: "Ceremony" ist zwar eine Nuance poppiger, in Anbetracht der späteren Singles jedoch noch eindeutig in der früheren Bandhistorie verortbar. Dies ändert sich dann spätestens mit dem Überhit "Blue Monday", welcher New Order 1983 nicht nur erstmals internationale Chartplatzierungen einbringt, sondern auch ein Abonnement in der Businessclass des zuckersüßen Synthiepops. "The perfect kiss" ist so ein wunderbarer Kariesverursacher, während sich "True faith" in weiser Vorausahnung der Huldigung anschließender Schmerzen verschrieben hat.

Aber die Frage nach Gründen für "Total: from Joy Divison to New Order" bleibt. Wahre Fans werden keine großen Überraschungen erleben, zudem sich der eher mittelmäßige neue New-Order-Song auch ohne Erwerb dieser Zusammenstellung auftreiben lassen wird. Für Interessierte hingegen ist der Einblick in das Schaffen und Wirken der prägenderen Konstellation Joy Division zu knapp geraten. Obwohl das Gros der versammelten Stücke für sich steht, ist die Darstellung einer Entwicklung zudem nicht punktgenau gelungen. Es bleiben demnach gelungene bis legendäre Songs, die sich gegen ihre kollektive Vereinnahmung zur Wehr setzen. Und auch das war eher Curtis' Weg als der seiner teils genialen, teils geschwätzigen Nachfolger.

(Carolin Weidner)

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Highlights

  • Love will tear us apart
  • Atmosphere
  • Blue Monday

Tracklist

  1. Transmission
  2. Love will tear us apart
  3. Isolation
  4. She's lost control
  5. Atmosphere
  6. Ceremony
  7. Temptation
  8. Blue Monday
  9. Thieves like us
  10. The perfect kiss
  11. Bizarre love triangle
  12. True faith
  13. Fine time
  14. World in motion
  15. Regret
  16. Crystal
  17. Krafty
  18. Hellbent

Gesamtspielzeit: 80:00 min.

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