Alkaline Trio - Damnesia

Alkaline Trio- Damnesia

Hassle / Soulfood
VÖ: 15.07.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Stecker raus

Atomenergie-Gegner würden es gerne tun, für Thekenbesitzer wäre es der Albtraum, für Playstation-Junkies das Spiel vorbei. Alkaline Trio machen es einfach: Sie haben den Saft abgedreht. Sieben Platten lang haben Alkaline Trio Songs eingespielt, ihre Live-Setlist um so manchen Publikumsliebling bereichert und dabei Material für "Damnesia" gesammelt. "Damnesia" ist das neue Album von Alkaline Trio und auch wenn es kein "Unplugged" im Untertitel spazieren trägt, könnte es das tun. Denn "Damnesia" stellt einige der bekanntesten Songs der Band auf, zieht sie bis auf die Unterhose aus und interpretiert sie vorwiegend über Akustik-Pickings neu. Das hat auch schon Eric Clapton mit seinen Songs gemacht. Alkaline Trio aber eben noch nicht.

Fans wissen das: Matt Skibas Timbre knistert auch dann noch gut, wenn es mal nicht über E-Gitarren in mezzoforte hinwegtönen muss. Jede Platte von Alkaline Trio hatte irgendwo hintenraus wenigstens einen Akustik-Rausschmeißer – und die Split-EP mit Kevin Seconds und ohne Strom enthält einige der besten Skiba-Songs, die es nie auf ein Alkaline-Trio-Album geschafft haben. Und während Alkaline Trio in der Strophe der Neuinterpretation von "Calling all skeletons" ihre Akustikgitarren noch schreddern, als ob sie Powerchords durch den Verzerrer hetzen würden, klingt spätestens der Refrain nach einem Versprechen. Dort entsteht auch ohne Wattverbrauch und Verlustleistung eine Nestwärme, die ansteckt.

Lediglich vereinzelt, etwa in der neuen Version von "Mercy me", bedienen sich Alkaline Trio der gleichen Tricks und Stromgitarren, die schon die Originale des jeweiligen Songs zu Herzensangelegenheiten haben werden lassen. Zudem: Die beste Version von "Radio" bleibt weiterhin die von der Split-EP mit Hot Water Music. Das rastlose "This could be love" kann wie hier im Schmuseblues-Tempo und ohne Krachgitarren nur verlieren. Am kräftigsten hingegen profitieren auf "Damnesia" die Mitläufer-Poppunksongs, die es ursprünglich bloß ins erweiterte Blickfeld der Highlights geschafft haben.

Aus "We've had enough" von "Good mourning" wird plötzlich eine launige Nummer, die diesen Rezensenten von damals Sven Cadario Lügen straft. Das neue "The American scream", das jetzt in Richtung großem Drama statt kleinem Punkrocksong abbiegt, hatte auch unseren Autoren Jochen Gedwien so überrumpelt, dass er glatt vergessen hatte, seine Dauerkarte für den Dortmunder Signal Iduna Park abzuholen. Klar: Die zwei neuen Songs "Olde English 800" und "I remember a rooftop" sind mittelguter Alkaline-Trio-Standard, die Violent-Femmes-Cover "I held her in my arms" bloß ein nettes Zwischenspiel. Und bei der flügellahmen Neuauflage von "Private eye" müsste Armin Linder seine Duracellhäschen alle im Metapher-Setzkasten stecken lassen. Aber Fans treffen auf "Damnesia" alte Bekannte, die oft genug Neues zu erzählen haben.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Nose over tail
  • The American scream

Tracklist

  1. Calling all skeletons
  2. Nose over tail
  3. This could be love
  4. Every thug needs a lady
  5. Clavicle
  6. Mercy me
  7. The American scream
  8. We've had enough
  9. Olde English 800
  10. I held her in my arms
  11. Blue in the face
  12. I remember a rooftop
  13. Private eye
  14. You've got so far to go
  15. Radio

Gesamtspielzeit: 50:04 min.

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