Shakira - Laundry service

Shakira- Laundry service

Epic / Sony
VÖ: 28.01.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Waschen und legen

Als ob es nicht schon genug von der Sorte gäbe: dralle Blondchen, die sich von Musiksender zu Musiksender hüpfen, mit dem Popo wackeln, als ob es gälte, damit dicke Brummer zu erschlagen, und gleichzeitig mit ihrem dünnen Stimmchen keiner Fliege etwas zuleide tun könnten. Auf den ersten Eindruck reiht sich auch die schmollmündige Shakira perfekt in diesen Club der doofen Trichter ein: Im Clip zu "Whenever, wherever" nämlich türmen sich Berge aus digitalem Zuckerguß auf, Wellen peitschen gegen computergenerierte Klippen, wildgewordene Pixel-Pferde rennen um ihr Leben, und dazu bläst sich ein Latino an der Panflöte die Lunge aus dem Leib wie Edward Simoni zu seinen besten Zeiten. Und was macht Shakira? Gazellengleich robbt die feurige Blondine durch den Schlamm, stemmt sich gegen die Gezeiten und schüttelt einen Hüftschwung aus den Gelenken, der vermuten läßt, daß sie neben Gold im Kehlchen auch noch mächtig Kautschuk im Kreuz, Caiprinha im Blut und Tabasco zwischen den Beinen haben muß.

Doch erste Vorverurteilungen sind genauso falsch wie die blonde Mähne der Latin-Queen. Shakira nämlich wurde keineswegs frisch von der Straße weggecastet und unter die Peroxid-Haube gequetscht, um nach Britneys Frontalexplosion deren Platz einzunehmen. Stattdessen ist sie in Lateinamerika bereits seit Jahren eine der angesagtesten Künstlerinnen überhaupt, schreibt und produziert ihre Songs in Eigenregie und versucht nun, von ihrer Heimat Kolumbien aus die Welt zu erobern.

Wer Shakira mit all den anderen blonden Hüpfdohlen in einen Sack zu stecken versucht, haut daher genauso daneben wie alle, die sie bereits vollmundig als neue Rock-Hoffnung Nummer eins titulieren. Denn mit erdigen Gitarren und deftigen Hooks hat die gute Frau in etwa soviel zu tun wie Bro'Sis mit Death Metal, und in ihrer Wäscherei ("Laundry service") ist noch lange nicht alles frisch, was appetitlich nach Veilchen und Lavendel duftet. Für manche Entgleisung gar würde die gute alte Klementine der aufmüpfigen Kollegin ihr Pülverchen um die Ohren semmeln und Shakiras Goldkehlchen bis zum Anschlag mit Megaperls auffüllen. Denn toxischer Weichspüler wie "Fool" oder giftiger Orient-Pop wie "Eyes like yours (Ojos asi)" befördern in Sekundenbruchteilen jede Waschmaschine lochfraßbedingt ins Nirwana.

Der Grund jedoch, wieso selbst gestandene Männer, deren Hormone bei anderen Popsternchen nicht die geringste Regung zeigen, für Shakira ihr letztes Büchsenbier geben würde, erschließt sich anhand feuriger Latin-Heuler wie "Te dejo Madrid" und dem in Englisch und Spanisch vertretenen Hit "Whenever, wherever" zumindest teilweise. Denn die Dame hat neben ihrer deftigen Stimme auch Charisma, Stil und unerwarteterweise vor allem eines zu bieten: Humor. "Lucky that my breasts are small and humble / So you don't confuse them with mountains" nuschelt sie kaum nachvollziehbar in "Whenever, wherever". Und auch wenn sie es nur selten schafft, ihre Vorzüge in originelle Songs zu kanalisieren, kann sich niemand entziehen, wenn sie in Songs wie "Underneath your clothes" mit ihrer Röhre Purzelbäume schlägt und einem an die Wäsche will. Ausschließlich zu Reinigungszwecken, versteht sich.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Underneath your clothes
  • Whenever, wherever

Tracklist

  1. Objection (Tango)
  2. Underneath your clothes
  3. Whenever, wherever
  4. Rules
  5. The one
  6. Ready for the good times
  7. Fool
  8. Te dejo Madrid
  9. Poem to a horse
  10. Que me quedes tù
  11. Eyes like yours (Ojos asi)
  12. Suerte (Whenever, wherever)
  13. Te aviso, te anuncio (Tango)

Gesamtspielzeit: 49:16 min.

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