Buzz Aldrin - Buzz Aldrin

Buzz Aldrin- Buzz Aldrin

Ghost / Al!ve
VÖ: 08.07.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Mondfinsternis

Der zweite Platz ist gar nicht schlecht. Außer vielleicht, wenn man im Restaurant das zweitbeste Steak und für seine Frau den zweitbesten Fisch bestellt. Der zweite Mann auf dem Mond gewesen zu sein, gereicht Astronaut Buzz Aldrin jedoch heute noch zur Ehre. Auch das gleichnamige Trio aus Bologna hat kein Problem damit, auf den ersten Platz verzichten zu müssen, denn sein zerklüfteter Sound orientiert sich genauso an bereits Dagewesenem: an der Frühachtziger-Schnittstelle von spätem Post Punk und der Vorwegnahme von Gothic Rock sowie an den aktuellen Auswüchsen bedröhnter Shoegaze-Psychedelia.

Dass man dabei das Gehör zuweilen ebensowenig fokussieren kann wie angesichts des kunstvoll verwackelten Covers den Blick, ist aber nicht weiter schlimm, sondern Teil der rauschhaften Veranstaltung. Die nachnamenlosen Italiener Nico, Gelo und Giallo eiern mutwillig durch die letzten 30 Jahre Musikgeschichte, als würde die lichtabgewandte Seite des Mondes schon auf sie warten. Rein bildlich gesprochen natürlich - statt ausladend progressiv zu rocken, beackern Buzz Aldrin eine blubbernde, aufgeworfene Kraterlandschaft, von der No und New Wave, atonale Geisterstimmen und rohes Tribal Drumming widerhallen, bevor sie schließlich in einem schwarzen Loch verschwinden.

Eine Mondfinsternis zum Hören, bei der sich die Band hyperaktiv durch Raum und Zeit beamt. The Velvet Underground und The Gun Club hier, The Fall und Bauhaus da, knirschiger Lo-Fi überall. Und auch textlich haben die drei begnadet durchgeknallte Ideen: "Giant rabbits are looking at the sun" - eine willkommene Abwechslung, denn Mondkalb steht bei ihnen vermutlich jeden zweiten Tag auf der psychedelischen Speisekarte. "Let’s walk the children around the space" - gute Idee, denn wenn die kleinen Racker am Ziel des interstellaren Wandertags angekommen sind, können sie gleich mit dem Schüppchen ein paar außerirdische Gesteinsproben nehmen. Und auch sonst geht es meist stoned zu.

"Eclipse" begleitet umnachtete Sonic Youth beim Weltraumspaziergang, "The fall" hämmert verzweifelt auf den Hitzeschild ein, "Machine 2999,99" malmt stoisch vor sich hin und fliegt am Ende mit Getöse in die Luft. Dass ausgerechnet "Giant rabbits are looking at the sun", der Song mit den Riesenkaninchen, eine Art ruppigen Pop im Speckmantel probt, ist zwar ein netter Versuch - der aber wenig später schon wieder eingeht wie eine Primel im Vakuum. Spätestens wenn "White church" zu rotierendem Trommelfeuer grollende Riffs durch die Druckschleuse presst und "No time / no age" (White eyes)" abschließend auch das letzte Licht verschluckt. Gut, dass "Buzz Aldrin" in seiner faszinierend baufälligen Ästhetik noch lange nachglüht.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Giant rabbits are looking at the sun
  • Machine 2999,99
  • White church

Tracklist

  1. Eclipse
  2. The fall
  3. Giant rabbits are looking at the sun
  4. Machine 2999,99
  5. Hola gringo
  6. White church
  7. Let's walk the children around the space
  8. Enter
  9. No time / no age (White eyes)

Gesamtspielzeit: 32:33 min.

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