No Joy - Ghost blonde

No Joy- Ghost blonde

Mexican Summer / Cooperative / Universal
VÖ: 27.05.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Thelma und Louise 2.0

Frauenduos - das klingt für das weibliche Geschlecht nach Spaß, Freiheit und Abenteuer. Für Männer klingt es nach ... aber lassen wir das lieber. Tatsache ist, dass massive Girl Power auch für Chaos sorgen kann. Von den Olsen Twins Ashley und Mary-Kate mal abgesehen, denen jegliches aufmüpfiges Verhalten offenbar schon im Kindesalter am Set von "Full House" abgewöhnt wurde. Aber es gibt andere Beispiele. Wie etwa Alice und Ellen Kessler, die als der Welt erste Superfrauen in die Geschichte eingehen werden. Oder Thelma und Louise, die alles umnieteten, was sich ihrer Freundschaft in den Weg zu stellen versuchte. Die beiden Damen von No Joy, Laura Lloyd und Jasamine White-Gluz, sind aber doppelt so gefährlich, doppelt so gut und vor allem doppelt so laut - und das ist durchaus positiv gemeint.

Dabei fing im Grunde genommen alles als platonische Fernbeziehung an. Während Lloyd im heimischen Montreal blieb, verschlug es White-Gluz zeitweise nach Los Angeles. Die Entfernung von etwa 4000 Kilometern hinderte die beiden aber nicht daran, gemeinsam Musik zu machen. Also tauschten sie munter Songs aus, bis sich irgendwann ein Label fand, das die Geschichte fast zu schön zum Vermarkten fand. Fast: Das Debüt "Ghost blonde" erscheint in Deutschland zwar mit gut einem Jahr Verspätung, doch der Noise Pop im Stil der Neunziger macht die Warterei allemal wieder wett. Allein "Heedless", das dem Album dank offensichtlicher Shoegaze-Anleihen zu einem außerordentlich gelungenen Start verhilft.

Es folgt "Maggie says I love you", das sich hypnotisch hämmernd festsetzt und dessen elektrische Gitarren fast so psychedelisch anmuten, wie man es zuletzt bei Women erleben durfte. Da fällt der drastische Kontrast zwischen dem rotzigen "Hawaii" und dem stark gedrosselten, melancholischen "Indigo child" ebensowenig ins Gewicht wie der Umstand, dass sich das Highlight von "Ghost blonde" erst kurz vor Schluss offenbart: die Midtempo-Pop-Nummer "Still", die wie eine bizarre Mischung aus My Bloody Valentine und The Pains Of Being Pure At Heart klingt. Denn Lloyd und White-Gluz wissen genau, dass man seine Verehrer - oder Hörer - auch einmal warten lassen muss. Typisch weiblich - brandgefährlich und hundsgemein eben.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Maggie says I love you
  • You girls smoke cigarettes?
  • Still
  • Ghost blonde

Tracklist

  1. Mediumship
  2. Heedless
  3. Maggie says I love you
  4. You girls smoke cigarettes?
  5. Pacific pride
  6. Hawaii
  7. Indigo child
  8. Still
  9. Untitled
  10. Ghost blonde

Gesamtspielzeit: 36:58 min.

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