Men Eater - Gold

Men Eater- Gold

Raging Planet / Cargo
VÖ: 10.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Immer mit der Ruhe

Wer sich die vielen, meist jungen und meist talentierten Doom-Bands, die seit ein paar Jahren aus der Erde sprießen, ansieht, könnte fast auf die Idee kommen, da sei ein Trend ausgebrochen. Doomster, die sich auf der Straße mit Indie-Kids anlegen, Scott Weinrich füllt das Wembley-Stadion und die wiedervereinigten Sleep schreiben den Soundtrack zur Oscar-prämierten Lovecraft-Verfilmung "The doom that came to Sarnath". Ganz so weit ist es noch nicht, aber immerhin ergibt sich in dem gerade – nun ja – florierenden Umfeld die Chance für eine ebenfalls junge und ebenfalls talentierte Band aus Portugal, sich eine Saint-Vitus-Gedächtnismedaille zu verdienen.

Wobei die vermaledeite Rückwärtsgewandtheit des Genres natürlich die umständlichste Krücke ist, mit der die modernen Doom-Bands so zu kämpfen haben. Da wundern sich Kritiker allerorten über die Melodieversessenheit von Bands wie Torche und den Rock’n’Roll-Appeal von The Sword oder gar den Death-Doom von Kvelertak, weil sie über Jahrzehnte nur die gemächlich dahin schleichenden Klassiker in Indie-Disco-inkompatiblen zehn Minuten-Brechern gehört haben. Dass beides seine Berechtigung hat und nebeneinander existieren kann, ist trotzdem nicht sehr überraschend. Men Eater haben es einfach nur zur Ansicht auf Band festgehalten.

Auch wenn sie meist eher dem kürzeren Format zugeneigt sind, strahlen die Riffs völlig unabhängig vom darunterliegenden Takt oft eine majestätische Langsamkeit aus, beispielsweise wenn sich die mächtigen Rhythmusgitarren von "Sustain the living" wie ein Gletscher über Strophen und Soli legen. "Gold" ist immer dann am besten, wenn die Songs länger klingen als sie sind, so paradox sich das anhört.

Da mäandert beispielsweise das geschwindigkeitslose Intro von "4:44 AM" über anderthalb Minuten in der Schwerelosigkeit herum und plötzlich (wenn das das richtige Wort ist) hauen die Gitarren mit Distortion auf mindestens 11 und unterhalb jedes metronomisch messbaren Tempos. "Largo" oder "Grave" nannte man das wohl zu Mozarts Zeiten. Die große Stärke von "Gold" ist, dass sich nicht alles der Langsamkeit unterordnet. Zwischendurch klingen Men Eater auch mal sehr nach The Sword, werfen mit Breaks und Kopfnicker-Geschredder um sich oder packen wie in "Bracara" die Schlaghosen aus und machen auf Psych-Rock. "Gold" ist ein Stück abwechslungsreicher, aber nicht weniger wuchtig als viele der Genre-Mitstreiter. Aber irgendwie muss man als Band ja hervorstechen, wenn die Konkurrenz genauso jung und genauso talentiert ist.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Sustain the living
  • Bracara
  • The golden

Tracklist

  1. Illusion one
  2. Broken in fiction
  3. Sustain the living
  4. 4:44 AM
  5. Atlantic
  6. The ground beneath the ground
  7. Bracara
  8. S A V N
  9. When crimson trips
  10. The golden

Gesamtspielzeit: 49:54 min.

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