Mechanical Bride - Living with ants

Mechanical Bride- Living with ants

Transgressive / Cooperative / Universal
VÖ: 10.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Indirektes Licht

"In Hamburg lebten zwei Ameisen / Die wollten nach Australien reisen / Bei Altona auf der Chaussee / Da taten ihnen die Beine weh / Und da verzichteten sie weise / Dann auf den letzten Teil der Reise." So weit Joachim Ringelnatz zum Thema "Ameisen und ihre allzu menschlichen Verhaltensmuster". Muster waren es auch, die Lauren Doss dazu bewegten, die kleinen Tierchen im Titel ihres Debüts zu verewigen - und zwar jene, die eine imposante Ameisen-Armee an ihrer Schlafzimmerwand bildeten. Anstatt grüne Döschen mit süßem Ameisengift im privatesten aller Räume aufzustellen, erkannte die Singer-Songwriterin aus Brighton den Reiz der Co-Existenz mit anderen komplexen Systemen. Und vor allem den symbolischen Wert des Naturschauspiels: Auf "Living with ants" geht es darum, die Schönheit in den Dingen zu finden, die vermeintlich Schatten werfen. Und die Musik aus den Lautsprechern wird derweil zur Partnerin fürs Leben, in guten wie in schlechten Zeiten. Eine Mechanical Bride.

Wo Schatten ist, ist bekanntlich auch Licht - eines der zehn Stücke heißt sogar "Boom! (Shine a light)". Doss erweist sich als Meisterin des Illuminierens, allerdings setzt sie vor allem auf indirektes Licht. Keines ihrer Lieder erscheint grell oder gar aufdringlich, ganz im Gegenteil: Ihre magisch schillernde Melange aus Kammerpop, Folk und Jazz wirkt außerordentlich sanft und entspannt, geradezu meditativ. Das Klavier setzt sie dabei, so auch im Opener "Magpie", meist als rhythmisches Instrument ein - die Melodien bleiben stets der feenhaften, zerbrechlichen, ungeheuer nahegehenden Stimme der 25-jährigen Britin vorbehalten, die dennoch nie zu zaghaft klingt. Im an Tori Amos erinnernden "By night" wird dann auch mal gesprochen, im herrlichen Vaudeville-Dschungel-Szenario "Walk into the forest" sogar geflüstert. Die richtigen Worte findet Doss sowieso. A propos Urwald: Tiere kommen auf diesem Album in erstaunlichem Ausmaß vor. Nicht nur die Ameisen im Titel, sondern auch Affen, Vögel, Kühe und die von einer ruhigen Akustikgitarre begleitete seltene Gattung der "Peach wolves".

Das ist jedoch gar nichts gegen die Anzahl der Instrumente, die in diesen 36 Minuten Verwendung finden: In einem Song wie "Young gold (You stole my heart)" sind es alleine zwölf Stück, darunter Vibraphon, Akkordeon, Euphonium, Tuba, Französisches Horn, Trompete und, nicht zu vergessen, eine Schar ausgesprochen gewitzter Flöten. Das Interessante dabei: Dieses volle Dutzend unterschiedlicher Instrumente klingt keineswegs überfrachtet, sondern man hat immer noch das Gefühl, dass die Musik genügend Platz zum Atmen und zur individuellen Entfaltung hat. Am schönsten nutzt sie diesen Freiraum im von Mandoline, 12-saitiger Gitarre, Streichern und Piano umrahmten, fernöstlich anmutenden "To the fight". Aber auch "Demons" mit seiner wunderbaren Jazz-Basslinie und die erste Single "Colour of fire" haben ihren ganz speziellen Charme. Und wenn Doss schließlich "Are you a believer?" fragt, gibt es keinen Grund, mit positiver Resonanz zu zögern. Das "Ja"-Wort bleibt das Wichtigste. Auch bei der mechanischen Braut.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Young gold (You stole my heart)
  • Colour of fire
  • To the fight
  • Walk into the forest

Tracklist

  1. Magpie
  2. Young gold (You stole my heart)
  3. Colour of fire
  4. Peach wolves
  5. By night
  6. Lakes
  7. To the fight
  8. Walk into the forest
  9. Demons
  10. Boom! (Shine a light)

Gesamtspielzeit: 36:42 min.

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