Fink (UK) - Perfect darkness

Fink (UK)- Perfect darkness

Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 10.06.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Schwarzmaler

Manchmal kommt es eben doch auf den richtigen Moment an. Gerade glaubte man noch zu wissen, wie der Horrorfilm aus der Videothek ausgeht, da springt schon die vermeintlich gehbehinderte Schwester aus dem Schrank und rasiert sämtlichen Teenagern den halben Schädel ab. Klar sind sowohl die promiske Frau und der dauerkiffende Typ tot, Regeln sind nun einmal Regeln - aber mit dem Killer hätte niemand gerechnet. Auch letztes Wochenende dachte man, die Zirkusvorstellung könne gar nicht mehr atemberaubender werden - bis sich der lustigste Clown von allen kurzerhand erhängte. Ja, sehr düster sind diese Überraschungsmomente - genau wie auf Fin Greenalls fünftem Album "Perfect darkness". Und damit nicht genug.

Es ist ja nicht so, dass der Mann sich noch keinen Namen gemacht hätte. Als versierter Techno-DJ tingelte er durch die Weltgeschichte, produzierte hier Amy Winehouse, arbeitete dort mit John Legend zusammen, unterstützte den Schauspieler Michael Pitt bei der Verwirklichung seiner musikalischen Pläne und haute vier Alben in neun Jahren raus. Nun also "Perfect darkness", eine bemerkenswerte Weiterführung des zuletzt erschienenen "Sort of revolution": Vorbei sind die Experimente mit elektronischen Klängen, fast vergessen die computergenerierten Emotionen. Im Jahr 2011 ist Greenall mit Akustikgitarre im rabenschwarzen Folk-Pop angekommen, mit rasierklingenscharfen Texten und einer Tiefe, die man sonst vielleicht nur vom höchsten Punkt des Mount Everest erleben kann.

Der eröffnende Titeltrack spielt da noch leicht verdauliches Tennis mit dem Hörer. Puristischer Sound mit entspannendem Rhythmus, bei dem sich noch nicht das beklemmende Gefühl einstellt, dass gleich etwas passieren wird - ob gut oder schlecht. Anders als das hypnotische "Yesterday was hard on all of us", dessen persönliche Note gleichermaßen charmant und ergreifend wirkt: "From cradle to grave, from ashes to ashes, from dust to dust / Because, because our paths they cross / Yesterday was hard on all of us, on all of us". Die bluesigen "Warm shadow" und "Wheels" hingegen wirken wie die Erzählungen einer längst vergangenen Zeit, die Greenall nach Belieben gestaltet, bis man die Fiktion nicht mehr von der Wahrheit unterscheiden kann.

Das muss hier aber auch gar nicht sein. Es sind Zeilen wie "True colours / You got so many, baby / You're like a fucking rainbow" aus dem basslastigen "Honesty", die trotz der mitunter plumpen Ausdrucksweise dafür sorgen, dass sich "Perfect darkness" trotz seines dunklen Untertons, seiner Schwermütigkeit und der düsteren Themen auch im Sommer zu einem emotionsgeladenen Lieblingsalbum entwickeln kann. So setzt das atmosphärische, an Radiohead erinnernde "Who says" ebenso Akzente wie der nostalgische Abschluss "Berlin sunrise" mit dem bittersüßen Nachgeschmack einer durchzechten Nacht und dem anschließenden Kater, der genau wie die Erinnerungen sicher noch ein paar Tage nachhallen wird. "Perfect darkness" ist nicht nur Greenalls schwierigste Platte, sondern auch seine beste. Und auch hier ist noch lange nicht Schluss.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Perfect darkness
  • Yesterday was hard on all of us
  • Who says
  • Berlin sunrise

Tracklist

  1. Perfect darkness
  2. Fear is like fire
  3. Yesterday was hard on all of us
  4. Honesty
  5. Wheels
  6. Warm shadow
  7. Save it for somebody else
  8. Who says
  9. Foot in the door
  10. Berlin sunrise

Gesamtspielzeit: 46:56 min.

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