Taking Back Sunday - Taking Back Sunday

Taking Back Sunday- Taking Back Sunday

Warner
VÖ: 24.06.2011

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Coming off age

Der Kreis schließt sich. Vor elf Jahren, als die Tinte auf den College-Abschlüssen der Band noch glitschig wie ein Feuchtbiotop oder eine Regalwand voller Emoplatten war, da waren Taking Back Sunday für kurze Zeit oben. Oben in ihrer Sparte zu sein, war damals noch relativ leicht, zugegeben. Denn weder die Resteverwertung noch die Industrie hatten entdeckt, dass sich ähnlich wie jede andere Sparte auch Emocore herdengerecht vermarkten ließ wie eine Frauen-Fußballweltmeisterschaft. Er musste bloß an den richtigen Stellen angepackt werden. Eine Geschäftsidee später war der Sound von Taking Back Sundays "Tell all your friends" und vor allem der Sound seiner Nachahmer überall. Vor allem in Millionen Teenager-Schlafzimmern, in jenen Hormonbrutkästen, in denen an guten und besonders an schlechten Tagen ein ähnliches Gefühlschaos tobt wie auf Taking Back Sundays bis heute einzig richtig guter Platte.

Um das vorwegzunehmen: Die größte Berührungsfläche, die "Taking Back Sunday", die Platte, und "Tell all your friends" haben, ist das Line-Up, das kleingedruckt im Booklet steht. Irgendwo hinten, wenn man nur weit genug blättert. Der Rest dieses Albums orientiert sich an dem, was Taking Back Sunday seit ihrer Sturm-und-Drangzeit eben so getan haben: Bestandsverwaltung wie ein fett gewordener Lokalpolitiker, der sich seiner Wählerstimmen sicher sein kann. Dabei hat der Vorabsong "El Paso" Langzeitfans vielleicht noch mehr aufgewühlt als die Nachricht um das neue Album: Um ein schneidiges Tempo ziehen Taking Back Sunday hier scheinbar so etwas wie einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit als potenzielle Testimonials der Taschentuch-Industrie - und verschrecken Alteingesessene mit einem für ihre Verhältnisse gemeingefährlichen Riff, das nach der Reunion so wenige erwartet hätten. Moment. Welche Reunion eigentlich?

Im letzten Jahr sind John Nolan und Shaun Cooper wieder bei Taking Back Sunday eingestiegen. Ausreden gelten jetzt nicht mehr: Schließlich ist damit das Team wieder komplett, das windigen Geschäftemachern und mäßig talentierten Nachwuchsbands fast zufällig eine Hitformel in die Hände spielte, die noch bis heute Rendite abwirft. Rendite auch für Taking Back Sunday: Schon ab der zweiten Mainstream-Emo-Nummer "Best places to be a mom" ordnen sie sich immer wieder den liebgewonnen Verhaltensmustern unter. Dann jauchzen, schnurren und jaulen John Nolan und Adam Lazzara wieder um die Wette, dann rocken Taking Back Sunday eine Ausrede von einer Strophe wieder auf den Refrain zu, der die besseren ihrer Songs überhaupt erst unwiderstehlich machen kann.

Produzent Eric Valentine beweist dabei erneut all das Fingerspitzengefühl eines Mannes, der Platten und Gefühle schon Zeit seiner Karriere auf das Doppel-Whopper-Format eines College-Radio-Hits überpimpt. Selbst die kleinste Geste muss knallen wie ein Sektkorken, der aus der Flasche ploppt – und wenn Schlagzeuger Mark O'Connell nur kurz die Bassdrum antippt, um sich die Beine zu vertreten. Geschenkt. Bloß: Richtig gut ist kaum einer Versuche, alte Hits in die Neuzeit zu transportieren. In "Since you're gone", "This is all now", und "You got me", praktisch der kompletten zweiten Halbzeit ihrer Platte, klingen Taking Back Sunday wie die Coverband, die Covers ihrer eigenen Hits von damals spielt. Und, die Songtitel deuten das bereits an: Der ollen Beziehungskiste auf der Fallhöhe eines Myspace-Tagebuchs sollten Taking Back Sunday ebenso entwachsen sein wie ihre Stammkundschaft von damals. Das seid Ihr doch, oder?

(Sven Cadario)

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Highlights

  • El Paso
  • Best places to be a mom

Tracklist

  1. El Paso
  2. Faith (When I let you down)
  3. Best places to be a mom
  4. Sad savior
  5. Who are you anyway?
  6. Money (Let it go)
  7. This is all now
  8. It doesn't feel like a thing like falling
  9. Since you're gone
  10. You got me
  11. Call me in the morning

Gesamtspielzeit: 39:27 min.

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