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Seasick Steve - You can't teach an old dog new tricks

Seasick Steve- You can't teach an old dog new tricks

Play It Again Sam / Rough Trade
VÖ: 27.05.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Das gute Gewissen

Es liest sich wie ein Märchen: Steven Wold, ein alter Hobo aus Kalifornien, der in seinem Leben zwischen Knast, Westküste und Gitarrenverstärkern pendelte, erlitt mit etwa 60 Jahren einen Herzinfarkt, überlebte diesen und wanderte mit seiner Frau nach Norwegen aus. In seiner Jugend war er mit Janis Joplin und Joni Mitchell befreundet, produzierte in den Neunzigern die ersten Alben von Modest Mouse und hing in Seattle mit Kurt Cobain ab. Erfolg als eigenständiger Musiker war ihm nicht vergönnt, bis er im Alter von 63 Jahren mit einem alten Weggefährten auf seinem norwegischen Bauernhof ein dreckiges Blues-Album einspielte. Das landete in den britischen Charts weit vorne. Wie seither jede weitere Veröffentlichung des alten Mannes mit der ölverschmierten Trucker-Mütze.

"You can't teach an old dog new tricks" ist nun das fünfte Album im siebten Jahr seiner offiziellen Solokarriere als Seasick Steve. Neben seinem Sidekick Dan Magnusson, dem weißhaarigen Derwisch am Schlagzeug, zupft hier Led-Zeppelin-Bassist John Paul Jones für Seasick Steve die Saiten, und man fragt sich, für wen die Ehre wohl die größere ist. "You can't teach an old dog new tricks" fährt auch wieder die legendären, von Seasick Steve erfundenen Saiten-Instrumente auf: das 3-string Trance Wonder, die Cigar Box Guitar oder The Dirt Digger. Der Sound ist düster und schwer, die Songs grooven, und die Stimme ist rau und kraftvoll.

Das dramatische "Treasures" eröffnet diese kurzweilige Platte mit einem traurigen Country-Song, der die Fidel auspackt und keine Angst vor den Johnny-Cash-Vergleichen hat. Sind diese ersten einschüchternden knapp vier Minuten überstanden, geht die Post ab. Boogie-Groove, amerikanische Roots-Musik, Delta Blues, traditioneller R'n'B, Country und eine Menge staubiger Dreck wird hier abgelegt. "Ich hoffe, dass die Leute wieder mehr Musik hören wollen, die ohne digitales Equipment auskommt. Dass die Ohren der Leute sich ein bisschen von diesem ganzen hochgezüchteten Scheiß ausruhen können", sagte der alte Hobo irgendwann. Genau das könnte sein Vermächtnis werden.

Harmlos ist auf "You can't teach an old dog new tricks" nichts. Selbst der schwülen Country-Nummer "Whiskey ballad" gelingt mit der kleinen Pfeif-Melodie und dem rasselnden Waschbrett eine wohltuende Atempause, bevor sich im lauten Intro von "Back in the doghouse" die Fuzz-Gitarre in voller Breite entladen kann. Ein gutes und vor allem gut unterhaltendes Album ist Seasick Steve gelungen, das allerdings nicht immer so zwingend und durchschlagend ist wie seine Vorgänger. Dass hier ein Unbeugsamer, ein Unangepasster mit seinen simplen musikalischen Ideen solch einen großen späten Erfolg feiern kann, macht die ganze Angelegenheit weiterhin äußerst charmant. Es ist, als ob das gute Gewissen der Musik nicht auszutricksen sei.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Treasures
  • Don't know why she love me but she do
  • It's a long long way

Tracklist

  1. Treasures
  2. You can't teach an old dog new tricks
  3. Burnin' up
  4. Don't know why she love me but she do
  5. Have mercy on the lonely
  6. Whiskey ballad
  7. Back in the doghouse
  8. Underneath a blue and cloudless sky
  9. What a way to go
  10. Party
  11. Days gone
  12. It's a long long way

Gesamtspielzeit: 43:34 min.

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