Terrorgruppe - Blechdose

Terrorgruppe- Blechdose

Destiny / SPV
VÖ: 14.01.2002

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eingebüchst

Über den Sinn von Liveplatten an sich kann man ja schon trefflich streiten. Als ein gern benutztes Argument für solche Alben muß dann oft herhalten, daß man auf diese Weise wenigstens ein Stück des Konzerterlebnisses konservieren kann. Vor diesem Hintergrund erscheint "Blechdose" als wenig gelungenes Fangeschenk: Immer wieder werden in die recht roh belassenen Konzertmitschnitte der Band Sampleschnipsel aus mehr oder minder klassischen Live-Alben eingestreut: Cheap Trick '77 in Japan gibt mehrfach hysterisches Gekreische her, Kiss' "Alive" liefert eine legendäre Ansage.

Die Absicht der Terrorgruppe bei diesen Zwischenkollagen ist durchaus ehrenwert. Laut Info sollen auf diese Weise künstlich hochproduzierte Livemitschnitte karikiert werden, die diesen Namen nicht verdienen. Nachträglich werden da im Studio massenhaft Overdubs eingespielt, um die kleinen Schnitzer des Konzerts auszubügeln. Fehlerbereinigung nennen das die einen, Beschiß die anderen. Die Kreuzberger Terrorpunker faken also an ihren Tapes so offensichtlich rum, um eben diese Sitte ad absurdum zu führen. Das ist sogar stellenweise ziemlich witzig, zum Beispiel wenn der Terrorgruppenmob den eingeschnipselten "Aaaaarrrrre you rrrrready?"-Schreien diverser Rockheroen mit einem saftigen "Fick Dich, Du Arschloch, und spiel Gitarre!" antwortet.

Auf solche Art, die auch nicht immer derart unterhaltsam ist, wird der Zuhörer allerdings immer wieder aus dem Konzertsound der Terrorgruppe herausgerissen. So etwas wie eine durchgängige Konzertatmosphäre transportiert "Blechdose" daher überhaupt nicht mehr. Für ein paar Lacher sind die Sampleeinstreuungen zwar gut, aber ein Witz wird beim zweiten Hören nicht besser. "Blechdose" auch nicht. Musikalisch bietet die Terrorgruppe keine Überraschung, enttäuschend ist die "Blechdose freilich auch nicht. Ob man das hier zelebrierte nun Aggropop, Deutschpunk oder einfach nur Rock'n'Roll nennen will, ist unerheblich. Unterm Strich bleibt eine Greatest-Hits-Platte mit Gebrauchsmusik zum Büchsenbiertrinken. Da paßt dann auch die "Blechdose" als Plattencover gut ins Bild.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Ernst August
  • 5 Kilo

Tracklist

  1. Konferenzschaltung
  2. Nazis im Haus
  3. Leider nur ein Traum
  4. Destroy the Krauts
  5. Neulich Nacht
  6. Schöner Strand
  7. Mein Skateboard ist wichtiger als Deutschland
  8. Tresenlied
  9. Allein gegen Alle
  10. Ernst August
  11. Stay away from the good guys
  12. Mein Papa bewacht die BVG
  13. Adolf Hitler (Dem sein Bart)
  14. Keiner hilft euch
  15. Namen vergessen
  16. Opa
  17. 5 Kilo
  18. Dicke Deutsche fahren mit dem Wochenendticket in die Hauptstadt
  19. Acab
  20. Sonntag morgen
  21. Amerika
  22. Ich bin ein Punk
  23. Enemy No. 1
  24. Sunny
  25. Wir müssen raus

Gesamtspielzeit: 77:42 min.

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