Jolie Holland - Pint of blood

Jolie Holland- Pint of blood

Anti / Indigo
VÖ: 24.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Blaues Wunder

Manchmal können Titel ganz schön in die Irre führen. Wer bei "Pint of blood" gleich an blutrünstige Splattermovies oder an gewaltverherrlichende Computerspiele denkt, wird sich getäuscht sehen. Es ist lediglich der Albumtitel von Jolie Hollands neuem Studioalbum. Doch um den Titel des Jahres ist sie damit ausgezeichnet im Rennen. Mit ihrer Musik taugt sie für die vorderen Ränge in der Kategorie Folk, Country und Singer-Songwriter (Female). Der Texanerin ist hier mit ihrer Begleitband, The Grand Chandeliers, wieder einmal ein ausgesprochen eingängiges und charmantes Folkalbum mit durchaus poppigem Einschlag gelungen. Es überzeugt insbesondere durch seine Reduziertheit und seine Relaxtheit und bemüht sich nicht gerade um ein schnelles Tempo.

Im Fokus steht Hollands Stimme, die von Sprechgesangseinlagen bis zu melodischem Slapstick jede Hürde ziemlich locker meistert. Immer wenn sie schweigt, sind Bass und ein eindrucksvolles Schlagzeug zur Stelle und füllen die Übergänge mit Leben, denn im Grunde passiert in den Stücken nicht sehr viel. Und wenn ihr einmal kein eigener Song einfällt, schreitet sie flugs zu einem von Townes Van Zandt: Das abschließende "Rex's blues" ist eine wunderbar interpretierte Klavierballade, die Joanna Newsom wahrscheinlich nicht viel besser gelungen wäre. Und mit der Eigenkomposition "Little birds", einer barjazzigen Uptempo-Nummer, greift sie wieder ein geliebtes Thema auf. Schon mit "The littlest bird" auf ihrem Debüt "Capalca" und mit "Little bird of freedom" im Duett mit Mark Olson, das auf dem letzten Album des Jayhawks-Sängers "Many colored kite" zu finden ist, nahm sie sich der Ornithologie an.

Doch so unbeschwert und leicht wie auf den zehn Songs von "Pint of blood" wirkte Holland vielleicht noch nie. Gar einen schludrigen Eindruck machen die Kompositionen das ein oder andere Mal. Die Buntheit, die sich auf dem Vorgänger "The living and the dead" andeutete, wird hier fortgeführt. Nicht nur das Cover und das countryeske "Gold and yellow" bringen Farbe ins Spiel, sondern das gesamte Werk koloriert die Flächen zwischen Abgrund und Pointe (i.e. Spitze). Die Melodien und die herausragende Produktion von Shahzad Ismaily (Lou Reed, Tom Waits) zeichnen sich jedoch dafür verantwortlich, dass die Stücke nicht in ihre Einzelteile zerfallen, was letztlich zu einem kohärenten Musikerlebnis führt.

Somit ist "Pint of blood" trotz einiger Brüche mehr Kontinuität als Wandel im Kontext ihres Gesamtwerkes. Das süße kleine Mädchen will Holland nicht sein, wie die Zeilen "I can't believe you treated me like all those girls / All those sweet girls go home to cry" im Auftaktsong "All those girls" erahnen lassen. Ganz weit draußen ist Holland jedoch auch nicht. Vergleiche mit Lucinda Williams sind hier durchaus berechtigt. Nun beklagen einige Kritiker die fehlende Anerkennung der Dame. "Pint of blood" könnte da Abhilfe schaffen. Abwarten und Blut, nein, Tee trinken.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • All those girls
  • Little birds
  • Rex's blues

Tracklist

  1. All those girls
  2. Remember
  3. Tender mirror
  4. Gold and yellow
  5. June
  6. Wreckage
  7. Little birds
  8. The devil's sake
  9. Honey girl
  10. Rex's blues

Gesamtspielzeit: 37:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
SYD Barett
2011-07-03 19:07:27 Uhr
Einfach nur schön die Platte, wer Oldham, Dylan, Cohen oder Young mag unbedingt reinhören!!!

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