Sebastian Block - Bin ich Du

Sebastian Block- Bin ich Du

Januar / Broken Silence
VÖ: 24.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Einmal um den Block

Wenn das Unterbewusstsein Oberwasser hat, versammelt sich das Treibgut am Ufer wie eine Schar Fackelträger, die intuitiv die Richtung weisen. Ohne das Ziel zu kennen. Wer diesen Zeichen folgt, hat entweder blindes Vertrauen oder keine Angst; vielleicht auch einfach nur den Weg zurück vergessen. Sebastian Block jedoch weiß, was er tut. Trotzdem - möglicherweise auch gerade deswegen - heißen seine Lieder "Wir fallen tief", "Ahnungslos" oder "Unfassbar" und haben vor allem eines: den Mut zur Hingabe an den Zauber der rationalen Unschärfe. Auffällig oft verschwimmen in den zehn Songs die verschiedensten Dinge - mal ist es die Kontur, mal der Augenblick oder auch der ganze Weg. Ein Schauspiel, umhüllt von Dunkelheit, Stille und dem Unerklärlichen, aber erstaunlicherweise nie von Unbehagen. Manchmal kann ein verschleierter Blick eben auch die Hochzeit der Zuversicht bedeuten, und um genau dieses gute Gefühl im Diffusen geht es auf "Bin ich Du".

Schon im Titel des Debütalbums seiner ehemaligen Band Mein Mio lag die Faszination des nicht Greifbaren: "Irgendwo in dieser großen Stadt" hieß das durchweg gelungene Werk, das 2009 erschien, bevor die Gruppe 2010 plötzlich wieder von der Bildfläche verschwand. Die Beschreibung des einstigen Frontmannes gilt allerdings auch auf Singer-Songwriter-Solopfaden: ein lebenswacher Melancholiker mit dem Herz auf Augenhöhe und dem Blick auf Weitwinkel. Zudem: ein Brandenburger, den es vor fast zehn Jahren nach Berlin verschlagen hat. Ein gelernter Bühnenmaler, der souverän mit den Farben des Lebens hantiert. Ein vielseitig talentierter Idealist, der auf "Bin ich Du" fast alle Instrumente selbst eingespielt und mit "Januar" mal eben sein eigenes Label gegründet hat. Im Kinofilm "Niemandsland" wird Block demnächst dann auch noch in seiner Paraderolle zu sehen und vor allem zu hören sein - als er selbst. Nebendarsteller sind die Interessantesten.

Tatsächlich kann man auch dieses Album hier ganz hervorragend nebenbei hören - und das soll keineswegs als Makel verstanden werden. Der beschwingte Gitarrenpop von "Wir fallen tief" oder "Ahnungslos" geht direkt in die Extremitäten, die Rhythmusgruppenarbeit läuft wie am Schnürchen, die Melodien sind memorabel und geschmeidig, die Produktion clever und sympathisch, bis ins kleinste Detail. Obwohl die hübsche erste Single "Ich hoffe ja" heißt, ist ausgerechnet ein Song namens "Nein" der ganz und gar nicht heimliche Höhepunkt: Ein wunderbar schwelgerisches Stück Sechziger-Jahre-Romantik mit einem Hauch von Americana und einem Chor im Chorus, zu dem man eigentlich nichts anderes tun kann, als sich in den Armen zu liegen - und seien es auch nur die eigenen. "Ich vergesse meine Pläne / An der Kreuzung um halb drei" verkündet Block in "Unfassbar", die Strophen ein luftiges Akustikgitarrengeflecht, die Refrains himmlische Hymnik. Lieder wie Kurzgeschichten aus einem langen Leben. Reich an Inhalt, aber auch reich an Platz für eigene Interpretationen.

Und über allem die Stimme des Ich-Erzählers, der selbstbewusster und weniger verletzlich klingt, als noch vor zwei Jahren - aber immer noch genauso gefühlvoll und aufrichtig. "Augen zu" überrascht in einem Pop-Gewand, das man nicht unbedingt mit einem kleinen Studio in Berlin-Mitte, sondern eher mit einem großen in Paris verbinden würde: dezent elektronisch, rhythmisch poliert und pointiert, entspannt groovend. Mit "Johnny" gibt es dann sogar noch ein Seemanns-Trinklied inklusive süffiger Gitarre und Zeilen wie "Im Zwischen- und im Oberdeck / Da saufen wir die Fässer weg." Und das Bemerkenswerte ist: Block kann solche Zeilen singen, ohne sich auch nur ansatzweise lächerlich zu machen. Das Album endet mit einem ungefragten Kuss und den Worten "Ach, ich will gar nicht wissen, was es ist / Und auch nicht, wie man es beschreibt / Ich will nur, dass es eine Weile so bleibt." Dem schließen wir uns an. Ganz bewusst.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Nein
  • Ahnungslos
  • Augen zu
  • Johnny

Tracklist

  1. Wir fallen tief
  2. Ich hoffe ja
  3. In den Farben
  4. Bin ich Du
  5. Nein
  6. Ahnungslos
  7. Augen zu
  8. Unfassbar
  9. Johnny
  10. Ohne zu fragen

Gesamtspielzeit: 36:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
antibazi
2011-07-03 23:55:14 Uhr
Schönes Popalbum des Mein Mio-Sängers. 7/10 gehen in Ordnung.
Hier anhörbar: http://januarlabel.de/sebastian-block-albumpreview/
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