Oh, Napoleon - Yearbook

Oh, Napoleon- Yearbook

Snowhite / Vertigo / Universal
VÖ: 24.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fisch mit Fleisch

Es ist grundfalsch, gleich zum Start eines Texte Dinge zu nennen, mit denen man den Leser nicht direkt am Anfang nerven sollte. Unter anderem ist es nämlich verboten, Musikrezensionen mit Witzen über deutsche Provinzstädte zu beginnen. Wir lassen also alle Kalauer über mittlere Großstädte, die den lokalen Fußballverein nach dem eingemeindeten Vorort benennen müssen, ebenso bleiben wie die Verunglimpfung einer untrinkbaren Biermischplörre. Reden lieber über etwas Erfreuliches, das aus Krefeld kommt.

Wie wäre es zum Beispiel mit Oh, Napoleon? Nachdem der Fünfer vom Niederrhein schon seit fünf Jahren die popaffine Bloggerschaft bezirzt hatte, erhielt er in dieser Saison die offizielle Major-Genehmigung für Größeres. So landen dann vermeintlich harmlose Hits wie "Save me" auf den Radiowellen und Festivalbühnen der Republik. Man hört's, ahnt nicht Böses und ist dann doch gleich hin. Und natürlich auch weg. Denn da ist erst einmal dieses Klavier zwischen Hoffen und Bangen. Dann nimmt Kathrin Biniaschs Stimme den leisen Kummer der Strophe zu eckigem Groove und fernem Feedback zärtlich an die Hand. Und im Refrain hebt sie einfach ab, in luftige Höhen. Von dort sehen alle Sorgen winzig klein aus. Du musst Dich nur trauen.

Die Songs legen es gerne auf die große Hymne an, und Biniaschs Kopfstimme kommt ihnen da gerade recht. So versammelt "Yearbook" elf schlichte Pop-Perlen, die nicht viel versuchen, aber nicht einmal dabei etwas falsch machen. "Chicago" träumt von der großen Stadt, und sein Groove hält es zwischen Vorwärtsdrang und Aufbegehren kaum aus. "Tomorrow's much too long / I have to go." Dem Publikumsliebling "I don't mind" ist das einerlei. Hier wird entspannt mit dem Fuß gewippt, denn die Gitarren perlen wie leckerer Schaumwein, und den Refrain singt eh jeder mit.

Gitarre und Klavier spielen mal Dur und mal Moll, und alle kommen gut miteinander klar. Das geht mal nach vorne wie im unruhigen "To have / to lose" und mal ans Herz wie beim schleppenden "K". Hier ist der Schmerz noch fühlbar, aber Biniasch zeigt Stärke: "I'm not always right, but I promised that you never / See me begging down on my knees." Keine wütende Gitarre prescht dazwischen, nur ein leises Klavier spielt gegen den Frust an. Hier atmet jemand Selbstbewusstes durch und lässt sich nicht unterkriegen. Wenn Dir dabei das Herz nicht wenigstens ein bisschen aufgeht, hast Du keins.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Save me
  • Lovers in your head
  • I should be loved
  • K

Tracklist

  1. Save me
  2. Chicago
  3. I don't mind
  4. Falling away
  5. Lovers in your head
  6. To have / to lose
  7. I should be loved
  8. The end of science
  9. Pick some roses
  10. K
  11. A book ending

Gesamtspielzeit: 39:00 min.