Mads Langer - Behold

Mads Langer- Behold

Columbia / Sony
VÖ: 27.05.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Achtung, bitte

"Trouble in the heartland" - so weit das Auge reicht nichts als Sehnsucht, Sentimentalität und Melancholie. Für den gemeinen Pop-Singer-Songwriter ist das Leben in diesem Territorium eine ständige Gratwanderung. Oft sind es nur Nuancen, die entscheiden, ob ein Lied Kunst oder Kitsch wird, ob es Schauern oder Schnarchen hervorruft. Besonders problematisch: Was genau ausschlaggebend ist, lässt sich kaum feststellen. Welche Überlebensstrategie ist es zum Beispiel, die den dänischen Newcomer Mads Langer davor rettet, bei diesem Balanceakt auf die falsche Seite zu kippen? Eigentlich bringt sein drittes Album "Behold" alles zum Einsatz, was es für eine gefühlsduselige 08/15-Popplatte braucht: Der große Durchbruchs-Hit, eine Coverversion von Olives "You're not alone", steht Gewehr bei Fuß, um in den Radio-Airplays dieser Welt Milow zu substituieren. In den Akkordfolgen trifft man immer wieder die üblichen Verdächtigen. Die Instrumentierung pendelt zwischen coldplayesker Epik und Lagerfeuergemütlichkeit. Die Backgroundchöre seufzen mit Langer selbst um die Wette, der - wen wundert es - auch die obligatorische, weiche Mädchenschwarm-Stimme mit dazugehöriger Optik vorweisen kann.

Nicht unbedingt die Art von Musik also, die man mögen will. Alleine die Verwendung von Textzeilen wie "La la la, I love you" muss eigentlich schon vor dem Entstehen der Popmusik indiskutabel gewesen sein. Doch was nach einer Handvoll bombensicheren Indikatoren klingt, das Radio auszuschalten, verbindet sich über weite Strecken zu filigraner, angenehmer Popmusik. Langer ist sich der permanenten Gefahr bewusst, die ihn in den befahrenen Seichtgebieten umgibt. Er spielt mit ihr und schützt sich vor der drohenden Kitsch-Fliegenklatsche, indem er sich auf sie setzt.

Wichtig ist hierbei sicher die Tatsache, dass Album und Künstler sich gleich mit dem ersten Stück gewaltigen Kredit erspielen: "I'm leaving" gleitet schwermütig und leichtfüßig zugleich durch sein schlichtes Gitarren-Korsett, Klavier und Synthesizer scheinen es kaum zu wagen, hinzuzustoßen - eine Zurückhaltung, die auch "The river has run wild" durch seine schleichende Elegie trägt und doch die Ausnahme bleibt. Ein Großteil der Melodien badet ausgiebig in ihren süffigen Arrangements. Das eine oder andere Lied säuft dabei zwar ab - am besten zu beobachten, wenn die Glückseligkeit aus der dann doch zu putzigen Zupfdudelei von "I love you" trieft -, doch über weite Strecken erstaunt "Behold" mit Fingerspitzengefühl: "Remains of you" zum Beispiel schleicht sich aus der Intimität in die überdimensionalen Klangräume von U2, dem "Drunken butterfly" stutzen bleischwere Klavierakkorde die Flügel. Nicht einmal das abgenudelte Jason-Mraz-Gedächtnis-Chillen auf "Microscope" kann wirklich nerven, solange es der Dauerschleife fernbleibt. "Attention, please", hat Mats Langer 2006 im Titel seines Debütalbums eingefordert. Mit fünf Jahren Verspätung dürfte sie ihm nun wirklich zuteil werden. Durchaus nicht zu Unrecht.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • I'm leaving
  • Drunken butterfly
  • Death has fallen in love

Tracklist

  1. I'm leaving
  2. The river has run wild
  3. Riding elevators
  4. Microscope
  5. Fact-fiction
  6. Drunken butterfly
  7. You're not alone
  8. Remains of you
  9. Last flower
  10. Rearranged
  11. I love you
  12. Death has fallen in love

Gesamtspielzeit: 39:40 min.

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