Broilers - Santa muerte

Broilers- Santa muerte

People Like You / EMI
VÖ: 10.06.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Groß und klein

Was die Broilers mit "Absolute Giganten" zu tun haben? Und Sammy Amara mit Frank Giering? Dem ersten Anschein nach überhaupt nichts. Hier eine aufstrebende Düsseldorfer Ska/Punk/Oi!/Rock/Whatever-Band für das vermeintlich Grobschlächtige. Dort ein feingeistiger Hamburger Film aus den Neunzigern, der von zahlreichen Indie-Boys und -Girls als das kultige und vielzitierte Nonplusultra der deutschen Filmemacherei auserkoren wurde. So viel zu der herrschenden Meinung und Bedienung der Klischees. Doch wenn dann auf einmal Frontmann Sammy Amara in "33 rpm" von schwierigen Zeiten und seiner Liebe zur Musik singt und im Refrain passend "Ganz egal, ob ich Blut schwitz', bittere Tränen wein' / Alles erträglich, es muss nur immer Musik da sein" zum Besten gibt, ist das bekannte Zitat von Floyd a.k.a. Frank Giering auf einmal ganz nah. "Es müsste immer Musik da sein, bei allem, was du machst." Musik als Kraftgeber und Lebensbegleitung.

So oder so ähnlich fungieren die Broilers auf ihre ganz spezielle Art und Weise als Hobbyphilosophen und warten mit Statements und Situationsbeschreibungen auf à la "Ich wollte doch Geschichte schreiben / Nicht den verdammten Einkaufszettel", "Die Welt gefickt, bevor ich mich das Küssen traute / Der Kirche Wein und dem Teufel Seelen klaute", "Schließ auch die Beine, Mädchen, öffne ein Buch" oder "Ohne Begleitung, niemand neben Dir / Die Akquisen liefen schlecht / Deine Freunde sind falsch, die Flasche verdammt echt". Was auf der einen Seite immer einem Tanz auf der Rasierklinge zwischen Proll und Pathos gleichkommt, trifft auf der anderen Seite jedoch auch meistens mitten ins Schwarze. Das muss man ihnen lassen. Ob die fünf Landeshauptstädter mit ihrem neuen Machwerk "Santa muerte" jedoch genauso zielsicher den Geschmack ihr bisherigen Anhängerschaft treffen werden, bleibt abzuwarten. Die Chancen auf ein Aufflammen der ewig jungen "Früher-waren-die-aber-besser-und-haben-sich-noch-nicht-verkauft"-Diskussionen dürften allerdings nicht schlecht stehen. Dafür ist das neue Songmaterial in der Tat an einigen Stellen eine Spur zu glatt gebügelt und zu eingängig.

Prinzipiell setzen die Broilers ihren vor 4 Jahren mit "Vanitas" eingeschlagenen Weg fort. Unter der produzierenden Mitwirkung von Vincent Sorg (u.a. Die Toten Hosen) entstanden abgesehen vom eingangs erwähnten "33 rpm" zwölf weitere Songs, die vom galoppierenden "Harter Weg (Go!)" angeführt werden. Offbeat, Bläser und ordentlich Schmackes legen die Vermutung nahe, dass die Single live eine schweißtreibende Angelegenheit werden dürfte. Nicht minder bewegungsfördernd geht es bei den ungemein schmissigen "In ein paar Jahren" und "Tanzt du noch einmal mit mir?" zur Sache. Oftmals schaffen die Broilers so etwas wie einen Ohrwurm auf den zweiten Blick. Aber dann so richtig. Doch es geht blöderweise auch manchmal etwas nach hinten los. So fällt einem leider erst mit der Zeit auf, wie nervig und störend die Hintergrundgesänge der ansonsten famosen "Schwarz, grau, weiß" und "Verdammte Stille" sind. Das hätte man sich genauso wie das eine oder andere etwas zu rührselige Stück sparen können. So bleibt am Ende zwar eine absolute Empfehlung, aber nichts Gigantisches.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Harter Weg (Go!)
  • In ein paar Jahren
  • Tanzt du noch einmal mit mir?

Tracklist

  1. Santa muerte
  2. Harter Weg (Go!)
  3. In ein paar Jahren
  4. Tanzt du noch einmal mit mir?
  5. Schwarz, grau, weiß
  6. Verdammte Stille
  7. Gemeinsam
  8. 33 rpm
  9. Vom Scheitern (The world is yours, nicht!)
  10. Alles geht weiter
  11. Weckt die Toten
  12. Wie weit wir gehen
  13. Stoßen wir an
  14. Singe, seufze & saufe

Gesamtspielzeit: 42:36 min.

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