Boris - Heavy rocks

Boris- Heavy rocks

Sargent House / Cargo
VÖ: 17.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nachgetreten

Es gibt Dinge und Menschen, von denen hört und sieht man für lange Zeit überhaupt nichts. Der Halleysche Komet ist so ein Ding. Alle 76 Jahre kommt er vorbeigeflogen, beschert der Menschheit ein schönes Lichtspiel am Himmel und verschwindet dann wieder. Walter Moers ist so ein Mensch. Alle Jubeljahre erfreut er die Menschheit mit einem neuen Buch, dazwischen herrscht Funkstille wie in den entfernteren Regionen unseres Sonnensystems, in denen sich der Halleysche Komet die meiste Zeit herumtreibt. Boris gehören nicht in diese Kategorie.

"Heavy rocks" ist immerhin schon das siebzehnte Studioalbum der japanischen Experimentalrocker, die diversen Kollaborationen nicht mitgezählt, an denen die Band sich immer wieder beteiligt – und erscheint zudem zeitgleich mit Nummer sechzehn, dem eher zurückgelehnten Pausenfüller "Attention please". Da Boris sich bei so vielen Alben auch schon so viele Namen ausdenken mussten, haben sie sich beim Titel schlicht bei ihrer Doom-Standardwerk "Heavy rocks" (die orange Version) aus dem Jahr 2002 bedient. Aber der Titel passt. Schwere Steine finden sich hier zu hübsch aufgeschichteten Haufen so zahlreich wie Menschen in der U-Bahn von Tokio.

Furztrocken und in meist recht freier Form reihen sich dröhnende Doom- und Stoner-Versatzstücke an polternden Punkrock und trügerisch-psychedelische Garagenrocker. Der überbordende Black-Sabbath-Einschlag gleich bei "Riot sugar" gibt die Richtung vor. "Heavy rocks" ist geradliniger, rückwärtsgewandter und für Boris-Verhältnisse konservativer als das zeitgleich erscheinende "Attention please". Aber die Ausführung überzeugt trotz der eher archaischen Herangehensweise. Da schnitzeln sich Phaser-überlagert Kreissägengitarren durch den Highspeed-Punkrock von "GALAXIANS", während die Band im Hintergrund eine Party schmeißt. Sogar das quasi-instrumentale "Window shopping" macht mit seinem Rock'n'Roll-Charme richtig Laune.

Der extrem verzerrte Doom-Reißer "Aileron" scheppert nach dem vorsichtigen Intro mit solcher Wucht und Verve aus den Boxen, dass die akustische Instrumentalversion, die auf "Attention please" vertreten ist, ganz alt aussieht. So überzeugend diese Rückbesinnung auf alte Tugenden auch ist, so schade ist es, dass der gleichzeitige Versuch der Band, sich in neues Territorium zu wagen, nicht ebenso gut funktioniert. Das macht "Heavy rocks" gegen seinen keineiigen Zwilling eindeutig zum Sieger nach Punches.

(Maik Maerten)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Riot sugar
  • GALAXIANS
  • Aileron

Tracklist

  1. Riot sugar
  2. Leak -truth,yesnoyesnoyes-
  3. GALAXIANS
  4. Jackson head
  5. Missing pieces
  6. Key
  7. Window shopping
  8. Tu, la la
  9. Aileron
  10. Czechoslovakia

Gesamtspielzeit: 52:02 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Boris - Dear Boris - Dear (2017)
Boris - Noise Boris - Noise (2014)
Boris - Smile Boris - Smile (2008)
Boris - Pink Boris - Pink (2006)

Threads im Plattentests.de-Forum