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Sound Of Rum - Balance

Sound Of Rum- Balance

Sunday Best / PIAS / Rough Trade
VÖ: 20.05.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Auf dem Wortspielplatz

Gedichte schreiben kann jeder. Die geistigen Ergüsse sollten allerdings in den seltensten Fällen das Licht der Poetry-Slam-Bühne erblicken. Und trotzdem lässt sich eine ganze Reihe erhirnter Möchtegern-Wortakrobaten feiern. Bei Kate Tempest liegt der Fall anders. Ganz anders. Die Texte der Dame sind mehr. Mehr Doppelboden. Mehr Realität. Mehr Hirn. Kein Wunder, dass Roots Manuva für Miss Tempest reichlich Lob verteilt. Dabei gewann sie aber lediglich einmal in New York so einen Slam und fing mit dem Schreiben zur gleichen Zeit wie mit der Musik an. Alles andere ist eben nur Spielerei. Nun hat sich die Britin mit dem Gitarristen Archie Marsh und dem Drummer Ferry Lawrenson zusammengetan. Und das Wissen und Gespür aus dem Bücherregal sowie das Feeling für HipHop und Jazz hört man Sound Of Rums Debüt zu jeder Zeit an.

Musikalisch passiert auf "Balance" nicht viel und doch eine ganze Menge. Marsh schickt ein paar Melodien in den Himmel, die sich nie in den Vordergrund schieben. "Icarus" steigt und fällt mit der Gitarre. Reduziert bohren sich die Töne in das Mark des Taktes. Dazwischen kühle Drums, die artig Beihilfe leisten, und Tempests Rhymes. "Wonder what he saw before he fell now / If he needed some help, would he have asked for it? / Probably he wouldn't." Für den Höhenflug, den Sound Of Rum hier starten, hat sich die Band allerdings reichlich Hilfe geholt. Ein All-Star-Team an Produzenten, die schon mit Nick Drake, Bob Marley, Speech Debelle und Hot Chip arbeiteten, schraubte fleißig mit an diesem Album. Doch die Regelschubser haben ihre Sache gut gemacht. "Balance" ist in sich eine runde Angelegenheit, die sich nie verhebt. Wenn Tempest zur Doubletime ansetzt, passt das. Wenn sich ein paar Effekte durch den Verstärker mogeln, sitzt das.

Die Gefahr nach Kunst-Akademie zu müffeln, kommt bei "Balance" nie auf. Der Titeltrack flimmert vor Soul und Gefühl, "End times" geht mit seinen Zeilen direkt rein, und auch die Gitarrenspur funkelt unter dem Rhythmus. Sound Of Rum harmonieren auf ihrem Debüt wie das Dunkel der Nacht mit dem leuchtenden Funkeln der Sterne. Ja, das ist pathetisch, aber einer Platte angemessen, die alle Worte wieder auf Null stellt und komplett neu ansetzt. Gelegentlich mischen sich Blues und Indie wie bei "Best intentions" unter den gesamten Flow, den "Balance" ausmacht. Jeder Track läuft mit einer unglaublichen Leichtigkeit durch die Boxen und dreht sich in die grauen Zellen. Sound Of Rum ziehen den Hörer auf ihre Straßen, in ihre Texte und sind so herzlich ehrlich, dass man ihnen in die Wangen kneifen möchte. HipHop und Hirn gehen eben immer gut zusammen. Kate Tempest weiß, wie die Welt ihr an den Lippen hängen wird. Ein Reim auf den anderen.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Icarus
  • Best intentions
  • End times

Tracklist

  1. Rumba
  2. Ed would be
  3. Slow slow
  4. Breakthrough
  5. Icarus
  6. Balance (Interlude)
  7. Give
  8. Concrete pigeon feat. Polar Bear
  9. Best intentions
  10. So low
  11. End times
  12. Prometheus

Gesamtspielzeit: 50:23 min.

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