Andreas Dorau - Todesmelodien

Andreas Dorau- Todesmelodien

Staatsakt / Rough Trade
VÖ: 17.06.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ärger mit der Sterblichkeit

Es war bereits 1981, als Andreas Dorau im zarten Alter von 17 mit seinem Debüt der dadaistischen Seite der Neuen Deutschen Welle eine eingängige Note verlieh. Manch einer mag jetzt fragen: 30 Jahre Dorau - reicht das nicht? Die Antwort lautet: ja und nein. Der Mann, dem man nachsagt, er habe Mitte der Neunziger die erste deutschsprachige House-Platte gemacht, lässt zwar auch auf seinem achten Album nicht locker beim gewagten Unterfangen, elektronischen Pop mit Minimal-Dance und grenzdebilem Schlager zu versöhnen - befasst sich aber vorsichtshalber schon einmal mit den letzten Dingen. Und weiterhin gilt: Die Menschen sind kalt. Spätestens nach ihrem Ableben. Bis dahin jedoch lassen sie keine Gelegenheit aus, einem schwer auf den Senkel zu gehen.

"Größenwahn", "Neid", "Inkonsequenz" und Schlimmeres - lang ist der Katalog der Verfehlungen, die "Todesmelodien" zu beschwingtem Breitwand-Lalala, schlanken Tanzflächen-Beats und schunkelnder Betulichkeit rekapituliert. Viele Songs blinken links und biegen rechts ab, Dynamik und Käsigkeit sind oft nur einen Beat oder ein missmutiges Bläserbrummen voneinander entfernt. Dass dieses Album in seinen ärgerlicheren Momenten aber auch ziemlich nerven kann, hat mehrere Gründe. Doraus mitunter penetrant krähendes Organ etwa. Oder die Tatsache, dass die musikalisch meist federführenden Mense Reents von Egoexpress und Jakobus Siebels von JaKönigJa (zusammen Die Vögel) nicht immer ganz im Bilde waren.

Unangenehm stumpf etwa verhandelt "Ausruhen" das Dasein im Altersheim, ungelenk deutet "Es war hell" einen Autounfall zu einem psychedelisierten Rhythmustrack um. Konfrontationen mit der Sterblichkeit, die nicht einmal ein wohliges Gruseln oder ein schwarzhumoriges Grinsen hervorzurufen vermögen. Immerhin: Wenn Dorau sich von jeglichen komödiantischen Anwandlungen distanziert, glaubt man ihm das bei diesen Stücken aufs Wort. Denn Spaß macht so etwas in der Tat nicht. Was zum Glück längst nicht für alle Songs auf "Todesmelodien" gilt. Oft genug bekommt dieses Album nämlich auch den Dreh zu flockigem Pop und funkensprühendem (Aber-)Witz.

Das wunderbar jubilierende "Größenwahn" tanzt fröhlich mit einem kehligen Chor die Egozentrik, "Und dann" versprüht gutgelaunt vergleichsweise bahnbrechenden Optimismus in Flexi-Pop, und selbst der Trennungssong "Gehen (Baby Baby)" kommt mit schluchzenden Streichern und "Where did our love go?"-Zitat zum bestmöglichen Schluss. Dann schneien noch Inga Humpe und Françoise Cactus für den Backgroundgesang herein und addieren weitere halluzinogene Seligkeit und sympathische Naivität. Dorau selbst dreht am Steuer seines Lebens zwar wie üblich meist vergebens - aber gibt sich wenigstens redlich Mühe, dabei gut zu unterhalten. Auch wenn man am Ende allein dasteht: "Du nennst Dich Single / Und Dein Leben dreht sich im Kreis." Manchmal ist die Welt eben doch eine Scheibe.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Größenwahn
  • Und dann
  • Gehen (Baby Baby)

Tracklist

  1. Größenwahn
  2. Edelstein
  3. Stimmen in der Nacht
  4. Neid
  5. Single
  6. Es tut so weh
  7. Inkonsequenz
  8. Ausruhen
  9. Und dann
  10. Schwarz rot gold
  11. Es war hell
  12. Gehen (Baby Baby)

Gesamtspielzeit: 45:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Berta
2012-03-15 23:45:09 Uhr
Ich mage der Lied song sehr gut es ißt ein Liebesleid finde wir gut gemacht aber die texte ißt manchmal gut manchmal mittel schlecht aber ins Gesamt es iest ein sehr schlechte leid uber es ist eine gut Gesang aber keine Musik die gut hoeren spaß will.
iyukamvqsom
2011-09-29 20:20:52 Uhr
64faK6 vujyzodxomhn
Bear
2011-09-29 09:34:29 Uhr
Thohugt it wouldn't to give it a shot. I was right.
Größenwahn
2011-06-27 14:26:59 Uhr
http://www.youtube.com/watch?v=2FVqp4P9u10
Dieter
2011-06-27 14:24:45 Uhr
Für den Recall reicht das nicht oder was meint ihr?
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