City And Colour - Little hell

City And Colour- Little hell

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 17.06.2011

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Milchmädchenrechner

Alben von City And Colour sind ähnlich weit zu Ende gedacht wie diese Schmierenkomödien, mit denen Arnold Schwarzenegger in den Neunzigern seine Schauspielkarriere über ihr Verfallsdatum retten wollte. Ein paar Mal hatte der Imageberater des Nackenstiers aus der Steiermark jenem damals eingeimpft, seine Komfort-Zone zu verlassen, die tief verwurzelt im No-Nonsense-Krawall der 80er-Blockbuster war. Nur: Schwarzenegger hatte vielleicht die antrainierte Statur für Prototypen von Conan bis T-800 – aber weder das Timing von John Cleese noch das liebenswerte Knautschgesicht von Bill Murray. Für sein Fremdeln im Singer-Songwriter-Genre hat Dallas Green alias City And Colour eigentlich prima Vorraussetzungen, oberflächlich betrachtet. Schon in seiner Hauptband Alexisonfire ist er das Bindeglied zwischen Emotion und Song – und seine Stimme ist so klar, dass all der Stadionkrach um sie herum sie manchmal verschrecken müsste. Trotzdem ist auch Greens aktuelle Soloplatte "Little hell" eher mäßig spannend geraten.

Dabei lässt Green eine gute Dreiviertelstunde lang nichts unversucht, sowohl Fans von Alexisonfire, Dashboard Confessional als auch Elliott Smith zu einer Laola-Welle zu bewegen. Intime Picking-Studien wie "The grand optimist" wuchtet er genauso auf diese City-And-Colour-Platte wie auf Zimmerlautstärke gebrochene Rocksongs namens "Fragile bird". Er verschnörkelt Drei-Minuten-Schunker wie "Natural disaster", als seien das Kunststückchen für die Ewigkeit. Und er lässt hin und wieder Celli, Glockenschellen und Orgeln auflaufen, die wie geladene Stargäste immer dann für Stimmung sorgen sollen, wenn seinen Songkonzepten ein bisschen die Luft ausgeht. Bloß: Es hilft ihm nicht immer.

Dallas Green ist nicht nur ein Bauchmusiker. Er ist auch ein Bauchmusiker, der schlau ist, der kalkulieren, eins und eins zusammenzählen und rechnen kann, wenn sein Bauch alleine ihm keine Ergebnisse liefert, mit denen er arbeiten kann. Auch er muss wissen, dass seine Samt-Stimme inmitten der knalligen Alexisonfire-Songs den Kontrast- und Spannungspunkt bildet, der aus gut gemeinten Emoplatten amtliche Hingucker macht. Bei City And Colour greift dieser Trick nicht. Weil er nicht greifen kann. Die Kontraste fallen weg, wenn die Musik um Green genauso aufgeräumt ist wie seine Stimme – und umgekehrt. Aber da Dallas Green schlau ist, fällt es anfangs gar nicht auf, wenn er auf "Little hell" Akkorde runterplätschert, Worte in die Akustik-Watte seiner Stimme einpackt und wahllos die Klampfen aus den Lieblingsplatten seiner Singer-Songwriter-Sammlung zitiert.

Denn schlau wie er ist, hat er die besten Ergebnisse seiner Helden-Verehrung für den Start des Albums aufgehoben. Für jene Momente, von denen er weiß, dass sie auch jene Kritiker mitbekommen, die Alben anskippen, bevor die Deadline ruft. Schon möglich, dass er so manchen davon überzeugt, der Song sowie die Platte "Little hell" habe die Klasse einer Neil-Young-B-Seite, mindestens. Aber gerade hintenraus ist "Little hell" das, was man sich ohne das systemimmanente Knistern eines Alexisonfire-Songs mit Greens Engelsstimme inmitten von Bratgitarren so vorstellt: ein bisschen viel Plätscherplätsher. Und das erneute Outing eines Songschreibers, der seine Songschreiber-Fähigkeiten weit genug überschätzt, dass er glaubt, alleine mit seinen Songideen eine richtig tolle Platte aufnehmen zu können.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Little hell
  • Fragile bird

Tracklist

  1. We found each other in the dark
  2. Natural disaster
  3. The grand optimist
  4. Little hell
  5. Fragile bird
  6. Northern wind
  7. O'sister
  8. Weightless
  9. Sorrowing man
  10. Silver and Gold
  11. Hope for now

Gesamtspielzeit: 47:27 min.

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