Sons And Daughters - Mirror mirror

Sons And Daughters- Mirror mirror

Domino / GoodToGo
VÖ: 10.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Scherbengericht

Gerade einmal drei Jahre ist es her, dass Sons And Daughters mit ihrem himmelsstürmenden Drittwerk "This gift" die Mauern des Pop einreißen wollten und dengelten, was das Zeug hielt. Beziehungsweise: was ihnen Produzent Bernard Butler gerade noch so erlaubte. Rock und Roll und Hall und Sirenengesänge. Dabei hatten die Schotten mit dem Londoner Glam doch eigentlich wenig zu schaffen. Also nahmen sie "Mirror mirror" zuhause in Glasgow auf und ließen den Glitzer an der Themse. Denn daheim ist der Regen immer noch am schönsten.

Die Abkehr von der bunten Glitzerwelt hat Sons And Daughters verändert. Wo "This gift" noch mit jeder Millisekunde mitriss, steht "Mirror mirror" wie hypnotisiert auf der Stelle. Im geisterhaften Opener "Silver spell" beschwören Adele Bethel und Scott Paterson schon einmal den Untergang. Synthesizerschlieren ziehen an klatschenden Kapuzenträgern und klappernden Zähnen vorbei. "Rocking / Bad luck." Grob gerasterte Schwarzweißaufnahmen statt Hochglanz-Pinups. Das ist kein ungestümer Sturm und Drang mehr, das ist frustrierter Postpunk.

Dass Bethel das Mikrophon nicht mehr für sich alleine will, sondern Paterson diverse Leadparts überlässt, reduziert den innig geliebten Sirenenfaktor. Dass seine Stimme jedoch sogar den Turm von Pisa gerade aussehen lässt, sorgt beim rumpelnden "Don't look now", beim irrlichternden Spaßverderber "Breaking fun" und zum elastischen Neumond-Beat von "The beach" für fröhliche Dissonanz. Holpern und Stolpern verschrecken nur vorläufig, gehörten sie doch schon immer zum Bezugsrahmen von Sons And Daughters. Wo alle Welt zackiger Achtelbeats überdrüssig geworden ist, zeigen die Schotten, dass die wahre Schönheit des Postpunk im kantigen, bissigen Lärm lag. "Mirror mirror" grüßt den "Rock lobster".

Die größte Freude machen jedoch weiterhin Bethels Mädchenmomente, die dieses Mal raffinierte Schlagseite aufweisen. Das elegante "The model" formuliert vor blecherner Kulisse eine späte Antwort auf "Boys don't cry". "Do you think she's happy? Really, really happy?" Die quecksilbernen Gitarrenhubschrauber von "Orion" schießen einen in den Abendhimmel. Im synthetischen "Ink free" spielt eine Schreibmaschine den Bolero. Halliges Schrammeln und perlende Gitarrenspiralen helfen sich gegenseitig dabei, den Rockismus von "Rose red" auf Distanz zu halten, der am Ende ganz schön Rabatz macht. Und der "Bee song" sorgt für ein pochendes Mantra des Scheiterns, das in seiner minimalistischen Pracht Thom Yorkes Zuspruch ernten dürfte. Die großen Hymnen haben Sons And Daughters also vor die Tür gesetzt. Die Glasgower haben sich damit abgefunden, nicht mehr zu Scotland's Next Popstars zu werden. Sie haben heute kein Foto für uns. Das wunderbar verzerrte Spiegelbild gefällt sowieso viel besser.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • The model
  • Orion
  • Rose red
  • Bee song

Tracklist

  1. Silver spell
  2. The model
  3. Breaking fun
  4. Orion
  5. Don't look now
  6. Rose red
  7. Axed actor
  8. Ink free
  9. Bee song
  10. The beach

Gesamtspielzeit: 39:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Sick
2011-07-27 17:46:13 Uhr
Ja, ist super. Viel Perkussion und Beat, dafür weniger Gitarre. Gefällt mir sehr gut.
bee
2011-07-22 12:21:46 Uhr
wirklich sehr gut geworden, die Platte! hat was Hypnotisches, böse Gitarren und öfter mal tauchen B52 Assoziationen auf - prima!
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