O'Death - Outside

O'Death- Outside

City Slang / Universal
VÖ: 03.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Innere Auskehr

Der große Einschnitt geschah mutmaßlich im Jahr 2009: Während ihrer Tour wurde bei O'Death-Drummer David Rogers-Berry Knochenkrebs diagnostiziert, die Tour gecancelled und die Band vorübergehend auf Eis gelegt. Knapp ein Jahr und eine schlauchende Chemotherapie später konnten O'Death wieder ins Studio gehen, um gemeinsam am Nachfolger von "Broken hymns, limbs and skin" zu arbeiten. Ob die sanfte Neuorientierung auf "Outside" der Erkrankung Rogers-Berrys geschuldet ist, bleibt natürlich im Spekulativen. O'Death wirken auf ihrem vierten Album aber weitaus aufgeräumter und altmodischer als auf den zumeist chaotischen Vorgängern. Wahrscheinlich ist dies der Punkt, an dem man davon spricht, dass eine Band erwachsen geworden sei. Keine Flausen mehr im Kopf, sondern nur noch klar strukturierte, zuweilen furchteinflößende Americana.

Gleich der Opener "Bugs" legt die Latte dermaßen hoch, dass keines der weiteren Stücke mehr herankommt. So einfühlsam wie selten zuvor singt Greg Jamie über Banjo, Violine und sanft treibender Percussion "I know that days don't come back / Please believe in me" und erzählt eine bittersüße Liebesgeschichte, die selbst dem großen Elliott Smith wunderbar gestanden hätte. Auch die anderen Songs berichten aus den düsteren Ecken der menschlichen Seele, sind aber insgesamt etwas freundlicher als auf den bisherigen Alben. Einen Song wie "Alamar" hätten O'Death früher wohl mit Genuss auseinandergenommen und in sich selbst zerbröseln lassen. Scheppernd und mit einem geisterhaften Hintergrundchor ausstaffiert rumpelt der klaustrophobische Track vor sich hin und wird von den den sechs New Yorker mit größter Anstrengung vor dem Entgleiten bewahrt.

Die wenigen Ausreißer in die Gefilde jenseits des menschlichen Verstandes setzen O'Death mittlerweile wohlgewählt und sehr selten ein. Dadurch ist "Outside" zwar weniger durchgeschossen als "Head home" und ""Broken hymns, limbs and skin". Dafür aber weiß dieses Album endlich einmal über die gesamte Länge zu überzeugen und verliert nicht irgendwo auf halbem Wege die Spannung. "Outside" ist damit das konventionellste, aber eben auch beste Album von O'Death. Und ganz am Ende, da passiert es doch noch, aber anders als erwartet. "Outside" fällt mit "The lake departed" final in sich zusammen, einfach so, wird stetig langsamer und ist plötzlich nicht mehr da. Ganz ohne viel Hektik und Lautstärke entschwindet diese Platte in die innere Einkehr, in die Stille, in die Dunkelheit. Die Entschleunigung hat O'Death sehr gut getan.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Bugs
  • Alamar
  • The lake departed

Tracklist

  1. Bugs
  2. Ghost head
  3. Alamar
  4. Black dress
  5. Ourselves
  6. Look at the sun
  7. Howling through
  8. Don't come back
  9. Pushing out
  10. Back of the garden
  11. The lake departed

Gesamtspielzeit: 37:59 min.

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