Efrim Manuel Menuck - High gospel

Efrim Manuel Menuck- High gospel

Constellation / Southern / Cargo
VÖ: 27.05.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Aus seiner Haut

Es ist im Grunde kaum erstaunlich, dass es für Efrim Manuel Menuck bislang wenig Gründe gab, Solopfade zu betreten. Zu sehr definierten sich seine Hauptbands Godspeed You! Black Emperor und A Silver Mt. Zion aus dem Kollektiv heraus - eine Einstellung, die - frühe Interviews machen das deutlich - vor allem aus dem Politischen geboren wurde und allen Mitstreitern ausreichend Platz zur Entfaltung ließ. Da nun zudem alles und jedes mindestens politisch ist, musste schon Außergewöhnliches passieren, damit Menuck den Drang verspürte, sich auch unter eigener Flagge nach draußen zu stellen: Mit der Geburt seines Sohnes und dem Tod eines Freundes mangelte es nicht an großen Themen. "High gospel", Menucks Solodebüt, ist deshalb ein durch und durch persönliches Album geworden. Alles andere wäre auch im Kollektiv zu verhandeln gewesen.

Wobei ihm natürlich die Unterstützung von außen sicher ist, und auch die musikalischen Trademarks kaum verlassen werden. Eine Menge Gitarren und ihre Effekte bestimmen "High gospel" und klauen den Songs zugleich jeglichen rockistischen Charakter. Gleich der Opener macht das deutlich: Mal schwirrende, mal dröhnende, zunächst tiefe, dann schon wieder zirpende Klangteppiche lodern unter Menucks und Katie Moores als Trauersoul vorgetragenen Zeilen. Einzelne Gitarrenlinien zaudern empor, A Silver Mt. Zions David Payant schlägt einen tiefen, humpelnden Beat, Sigur-Rós-Sechzehntel schwellen an und ab, und schließlich steuert ein Violinenmeer eine harmonische Spitze an, die es im Grunde nicht gebraucht hätte, bei der es aber schön ist, von ihr zu hören - oder vielmehr ihre Präsenz zu spüren, denn die Teppiche sind nach wie vor zu dicht gewebt, als dass man wirklich von einer Auflösung sprechen könnte.

So geht das weiter: "A 12-pt. program for keep on keepin' on" nimmt seinen Ausgang bei Fieldrecordings, die zu nächtens über die Hügel brennenden Monsterstimmen verfremdet werden. Allerlei Feedback zieht sich wie Gewitterwolken über Menucks Delaygesang zusammen, Taktpunkte schlingern als unrundes Metronom durch die Klangfülle, bis alles in einen schwirrenden Elektroball hinein explodiert, dessen Stakkato allein von den durcheinanderstürzenden Klanghaufen ausgebremst wird. "Heaven's engine is a dusty ol' bellows" wabert mit kratzigen Effektpedalen seinen beiden hochmelodiösen Vorgängern davon, bevor das "Kaddish for Chesnutt" dem verstorbenen Freund Vic Chesnutt einen trauernden Chor durch finster brummenden Drone hinterherschickt. Das ist ebenso herzergreifend wie steinerweichend.

Doch keine Sorge: Dass die Hoffnung immer noch zuletzt stirbt, zeigte sich bisher bei jedem von Menucks Projekten, trotz all der Bitterkeit. Da will auch "High gospel" nicht zurückstehen. Hat sich der Abschlusstrack irgendwann eingekriegt, gibt es einen zuckersüßen, hymnischen Abschied, mit überformender Trauerkloß-Melodie, ineinandergleitenden gutherzigen Frequenzen und einem unwiderstehlichen Jubel-Gesang, der befindet: "Look at my boy / Look at him smile / I'm no longer a motherless child." Da ist in drei knappen Zeilen so viel Autobiographie drin, dass der Song eigentlich in Minimaltechno ausweichen müsste, um einen Ausgleich zu schaffen. Genau darin aber zeigt sich die große Konzentration, die auch sonst in jedem Detail steckt, das "High gospel" anzubieten hat. Hier steht nichts für sich, damit Menuck für sich stehen kann. Was dann auch schon wieder politisch ist. Da kann wohl jemand nicht anders.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Our lady of parc extension and her munificent sorrows
  • A 12-pt. program for keep on keepin' on
  • I am no longer a motherless child

Tracklist

  1. Our lady of parc extension and her munificent sorrows
  2. A 12-pt. program for keep on keepin' on
  3. August four, year-of-our-lord blues
  4. Heavy calls & hospital blues
  5. Heaven's engine is a dusty ol' bellows
  6. Kaddish for Chesnutt
  7. Chickadees' roar pt. 2
  8. I am no longer a motherless child

Gesamtspielzeit: 42:07 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
revol
2011-05-30 19:27:46 Uhr
schwarzkamp gibt 4/12. was für ein vogel.
badpit
2011-05-30 14:41:56 Uhr
Heavy Calls & Hospitals Blues ist mein momentaner lieblingssong.... tieftraurig und erinnert ein wenig an das vorletzte antlers album
Moonchild_27
2011-05-29 21:07:20 Uhr
Viel Gittare ab und zu streicher, mantra-artige gesänge, eben sehr "schräg" kann durchaus stimmung erzeugen nur eben keine Musik für nebenbei. :)
@tuxx
2011-05-29 21:02:31 Uhr
field recordings, drone light
tuxx
2011-05-29 20:58:01 Uhr
wie ist denn so die instrumentierung? ich hab bock auf viel klavier und viele streicher.
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