Idiot Glee - Paddywhack

Idiot Glee- Paddywhack

Moshi Moshi / Rough Trade
VÖ: 20.05.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kentucky schreit Friley

Was sollte man heutzutage tun, wenn man in der amerikanischen Provinz aufwächst und dort nicht so recht herauskommt? Hobos gibt es schon lange keine mehr, und Internetnerd will immerhin nicht jeder werden. Da bleibt dann freilich nur die Möglichkeit, eigene Songs über das wohlbekannte Idyll zu schreiben. Das dachte sich auch der 22-jährige James Friley aus Lexington, Kentucky, der sein Geld bislang mit einem Job an einer Kasse verdiente. Er erstand auf einem Flohmarkt (!) "Pet sounds" von den Beach Boys im revolutionären Format der Kassette (!) und hörte von dort an fast nichts anderes. Das war im Jahr 2008, und nicht etwa im Jahr 1988. So will es zumindest die Legende. Jetzt nennt Friley sein Ein-Mann-Projekt Idiot Glee und übt sich auf seinem Debüt "Paddywhack" daran, den Sound der Beach Boys mit Wave, Verve und zwölf Eigenkompositionen zu interpretieren.

Die Stücke changieren allesamt zwischen hymnischem Pianopop und modernem Ambientsound, der entfernt an frühere Alben von Animal Collective wie "Sung tongs" erinnert. Der einzelne Song tritt da ganz gerne einmal in den Hintergrund und überlässt dem stets dominierenden Keyboard und Frileys Stimme die Initiative. Repetitionen findet man dort ebenso wie Halleffekte, die das ein oder andere Stück auseinandernehmen oder gar zerschießen. Die zusammen mit "Don't drink the water" als A-Seite bereits 2010 veröffentlichte Single "All packed up" sowie das eindrücklichste und beinahe rockig zu nennende "Let's get down together" können einem klassischen Song noch am ehesten gerecht werden. Ansonsten werden Soundschichten genüsslich verschoben, und Experimente bekommen viel Raum.

Kentucky wird damit sicherlich nicht das Zentrum der kontemporären Popmusik, aber immerhin könnte man nach dem Genuss von "Paddywhack" neben der Fast-Food-Kette noch etwas anderes zum kleinen US-Bundesstaat zu sagen haben. Das Album glänzt zum Abschluss sogar mit einem düsteren, langsamen Rausschmeißer. Und nicht nur das: "In the sadist's garden" hat einen catchy Titel, der sich einprägen wird. Friley zeigt, dass man nicht schreien muss, um erhört zu werden, doch werden womöglich einige Menschen in Kentucky und in der weiten Welt nach Friley schreien. Schön wäre es.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Let's get down together
  • All packed up
  • In the sadist's garden

Tracklist

  1. It
  2. Let's get down together
  3. Don't go out tonight
  4. All packed up
  5. Trouble at the dancehall
  6. Deep descent
  7. I want the night to stay
  8. F O E
  9. Don't drink the water
  10. Happy day
  11. Welcome back
  12. In the sadist's garden

Gesamtspielzeit: 36:04 min.

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