Esmerine - La lechuza

Esmerine- La lechuza

Constellation / Southern / Cargo
VÖ: 10.06.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Trauerbande

Bruce Cawdron und Rebecca Foon sind so etwas wie die ewigen Sidekicks berühmter Namen und Bands. Foon war Cellistin/Sängerin bei A Silver Mt. Zion, Cawdron Schlagzeuger/Percussionist bei Godspeed You! Black Emperor. Und da so etwas um die Jahrtausendwende zu Montreals gutem Ton gehörte, spielten beide auch ihre Rollen beim Ableger Set Fire To Flames. Wer jetzt bereits denkt, er wisse, wie Esmerine klingen, der hat absolut recht.

Das Moll, die Trauer und das Abgründige: alles da, auch auf Esmerines Drittwerk "La lechuza". Dennoch gibt das Uptempo von "Little streams make big rivers" mit seinen als Gitarrenersatz anschwellenden Streichern und Saxophonen die einzige Kratzbürste im weiten Rund. Ansonsten bewegen sich Esmerines Kompositionen durch schlankere Gefilde, denen durch die Konzentration auf Foons und Crawdons Professionen Rechnung getragen wird - ergänzt durch die Harfe von Sarah Pagé, die Percussions von Andrew Barr sowie ein Heer an Gastmusikern.

Da ist Kammermusik und Klassik ebenso präsent wie - etwa bei "Trampolin" oder "Sprouts" - die Weltmusik-Dekonstruktionen von Tortoise. Mit den wunderschönen Melodien von "Last waltz" und "Au crépuscule, sans laisse" entfernt sich "La lechuza" gar noch weiter von Montreals Postrock-Infernal und findet sich bei den gedankenschweren Kompositionen von Rachel's ein - hochwillkommen, da eben jene ja auch schon wieder viel zu lange die Füße stillhalten. Esmerine und ihre Gastmusiker spielen mit ähnlicher Konzentration und Ruhe, zeigen sich spürbar als eine Einheit. Wobei eben diese Bande im Zentrum von "La lechuza" von einer guten Portion Schwermut durchbrochen werden.

Produzent Patrick Watson besingt in unwiderstehlichem Falsett nicht nur "Last waltz" im Duett mit Sarah Pagé, sondern auch "Snow day for Lhasa" als Abschiedsgruß an die 2010 verstorbene Lhasa de Sela. Der Nukleus von Esmerine sowie vor allem Watson waren de Sela über lange Jahre als Musiker und Freunde verbunden. Deshalb ist es nur logisch, dass "La lechuza" de Sela gewidmet wurde und diese zum Abschluss "Fish on land" - in einer Alternativversion zum eigentlichen Albumtrack, aufgenommen mit Cawdron und Foon - noch einmal selbst mit ihrer Stimme im kraftvollen Trauerchoral zu hören ist. Manchmal ist das, was eine Band hörbar zusammenschweißt, ein Unglück, das ebenso wunderliche wie wunderbare Blüten treibt. De Sela hätte dieser Gedanke mutmaßlich ebenso gefallen, wie Esmerine nicht umhin können, diesen Kummer zu einem Geschenk für den Hörer zu machen. Traurig, aber wahr: Zumindest das stimmt ebenso in Montreal wie überall auf der Welt.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • A dog river
  • Last waltz
  • Snow day for Lhasa
  • Au crépuscule, sans laisse

Tracklist

  1. A dog river
  2. Walking through mist
  3. Last waltz
  4. Trampolin
  5. Snow day for Lhasa
  6. Sprouts
  7. Little streams make big rivers
  8. Au crépuscule, sans laisse
  9. Fish on land

Gesamtspielzeit: 43:45 min.

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