Kate Bush - Director's cut

Kate Bush- Director's cut

Capitol / EMI
VÖ: 13.05.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Missterium

Die sagenumwobene Kate Bush - Frau der großen Emotionen, die selbst Hartgesottene niederstreckt, einfach so. Denn wo sich viele Künstler abmühen, den Schein leichtfüßiger Taumelei durch den Lustgarten der Inspiration und Kreativität aufrechtzuerhalten (und dabei stark ins Schwitzen geraten), lächelt Kate Bush nur und brilliert als merkwürdiges Zauberwesen, das hüpft und tanzt und singt. Kaum einer, der nicht die winzigste Anekdote aus den 80er Jahren zum Thema beisteuern könnte. Das reicht dann vom ersten Mal zu "Hounds of love" bis zur Identitätskrise mit "The sensual world" - emotionaler Ausdruckstanz anno 1989. Als das Doppelalbum "Aerial" 2005 nach über einer Dekade ohne Bushfunk der gespannten Öffentlichkeit präsentiert wurde, war man sich vorwiegend einig - nicht ganz bekömmlich, aber noch immer Kate Bush. Ergo noch immer großartig. Nun sind wieder einige Jahre vergangen, und es ist wieder soweit: Es gibt was Neues. Oder besser: bewährte Kost, auf Molekularküche getrimmt.

Denn "Director's cut" versammelt elf Stücke, welche allesamt bereits auf "The sensual world" und "The red shoes" erschienen sind. Der erste Titel "Flower of the mountain" birgt jedoch gleich ein Rätsel. Kein Bergblümchen zu finden, weder auf "The sensual world" und schon gar nicht auf "The red shoes". Doch dann: Kirchenglocken, Dudelsäcke - "The sensual world", Titelstück und Zwilling aus dem Jahre 1989. Das Rätsel, gelöst mit Hilfe von James Joyces Enkeln, Urheberrechten und einem unvergessenen Wunsch Kate Bushs, welcher sich um den Roman "Ulysses" rankt und die Worte nun endlich, wie einst geplant, direkt aus Joyces Feder nimmt. Ist "Director's cut" also nichts weiter als eine nachträgliche Korrektur? Nicht wirklich, denn die Klanglandschaften, welche man liebt und unter keinen Umständen missen möchte, sie sind noch da.

Ein wenig anders verhält es sich mit "Deeper understanding". Bush, seit jeher in enger Umarmung mit Samples aller Art und momentan in einem scheinbar selbstbefruchtenden Modus unterwegs, verzerrt ihr Klangorgan derart, dass es befremdlich wirkt. Doch trotz großzügigem Gebrauch technischer Spielereien - das Gefühl ist wie durch ein Wunder konserviert und sicher in das 21. Jahrhundert geschwappt. Und diese Einsicht lässt sich dann auch auf die anderen Stücke übertragen: Sie klingen ein wenig anders, sind aber dennoch und klar identifizierbar. Die Frage indes, welche Botschaft Bush eigentlich mitzuteilen hat, bleibt. Dem Vergleich mit den Originalen hält keine der Neuinterpretationen stand - das können und müssen sie aber auch nicht wirklich.

Die Idee hinter dem Konzept "Director's cut" ist vielleicht diese: ein frisches Gewand, passend zum neuen Popzeitalter. Und warum eigentlich nicht? Bedenkt man Bushs notorische Tourabstinenz, macht es Sinn. Der Möglichkeit beraubt, alte Stücke auf einer Bühne zu verfremden oder umzuarrangieren, um sich selbst neu und wieder zu entdecken, vollzieht hier nicht der Auftritt, sondern das Album die Genese einer neuen Stimme. Mit den Jahren zwar um eine Etage tiefer gerutscht, voller und wärmer, weckt sie noch immer dasselbe, schon immer vorhandene Wohlgefühl. Fast wie ein frühkindlicher Geruch, der sich heimlich in das neuronale Archiv geschlichen hat. Eine Prise Bush: Nicht mehr, keinesfalls weniger.

(Carolin Weidner)

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Highlights

  • Flower of the mountain
  • Moments of pleasure
  • Never be mine

Tracklist

  1. Flower of the mountain
  2. Song of Solomon
  3. Lily
  4. Deeper understanding
  5. The red shoes
  6. This woman's work
  7. Moments of pleasure
  8. Never be mine
  9. Top of the city
  10. And so is love
  11. Rubberband girl

Gesamtspielzeit: 57:00 min.

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