An Horse - Walls

An Horse- Walls

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 13.05.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Immer noch ein Pferd

Das ging schnell! Ein gutes Jahr nach ihrem niedlich-verschlufften Debüt "Rearrange beds" kommen An Horse mit ihrem zweiten Album um die Ecke. Ihre Version sommerbesprossten Indiepops war seit Anbeginn eher niedlich, kulleräugig und erinnerte nicht nur zufällig an Tegan And Sara. Dies hat sich auch auf "Walls" naturgemäß nicht geändert und wird vermutlich ewig Bestand haben. Gut, die Gitarren klingen jetzt etwas kantiger, haben ab und an eine dezente Grunge-Schlagseite, sind aber trotzdem nie übertrieben auf grimmig getrimmt. Überhaupt scheinen sich die beiden Australier nicht für Trends zu interessieren, denn "Walls" ist eine ziemlich unzeitgemäße Platte. Was heutzutage regelrecht erfrischend wirkt.

Für An Horse - immer noch mit dem originären und viel diskutierten Artikelfehler - hat sich vergangenes Jahr viel getan: Sie haben sich mit tatkräftiger Unterstützung von Tegan und Sara Quin einen klanghaften Namen erspielt - ihr Erstling war aber auch eine wirklich feine Sache. "Walls" hält sich im Wesentlichen an die gleichen Ingredienzien: die durchdringende, sympathisch-näselnde Stimme von Kate Cooper, dazu die minimalistischen Gitarrenlicks irgendwo zwischen Power-Pop und Garagenrock und als Krönung das stetig treibende, rumpelnde Gepoltere von Damon Cox an den Drums.

Bereits mit dem Opener "Dressed sharply" wird jedoch klar, dass An Horse das Tempo etwas anziehen, rotziger und trotziger klingen wollen, ohne zu ernst zu werden. Wobei das so nicht ganz richtig ist: Es gibt auch intime, ruhigere Momente auf "Walls", so zum Beispiel das schüchterne, verhuschte "Windows in the city". Irgendwie lieblich, leicht zuckrig klingt das dann. Melancholisch und trotzdem nicht weinerlich. Über die Distanz von zwölf Stücken ist diese Knuffigkeit manchmal etwas anstrengend, selbst wenn jeder Song für sich genommen sehr gut funktioniert.

Selbstverständlich bietet "Walls" auch herausragende Stücke, selbst wenn man ein zweites "Camp out" vergeblich sucht. "Trains and tracks" ist so beispielsweise schwungvoll und rasant, pumpt auf angenehme, leicht aufgekratzte Weise und markiert somit den stürmischsten Moment der Platte. Im Gegensatz dazu schleicht sich "Brain on a table" langsam und bedächtig von hinten an - das Stück entfaltet sich regelrecht, was bei einer Band, die sich auf zweieinhalbminütige Pop-Songs spezialisiert hat, durchaus erwähnenswert ist. Nichtsdestotrotz huschen einige Lieder unbemerkt am Hörer vorbei. Folglich bleibt "Walls" ein etwas mauerblümiges Album, dass sich in den Schatten des Vorgängers stellt. Der hatte schlicht und ergreifend die etwas besseren Songs, die etwas knackigeren Refrains. Aber das ist freilich auf ziemlich hohem Niveau genörgelt.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Dressed sharply
  • Trains and tracks
  • Brain on a table

Tracklist

  1. Komplette Tracklist: Dressed sharply
  2. Not mine
  3. Airport death
  4. Know this, we've noticed
  5. Trains and tracks
  6. Walls
  7. Brain on a table
  8. 100 whales
  9. Leave me
  10. Windows in the city
  11. Swallow the sea
  12. Tiny skeletons

Gesamtspielzeit: 38:31 min.

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