The Helmut Bergers - Sweet sensation

The Helmut Bergers- Sweet sensation

LasVegas / Hoanzl / Broken Silence
VÖ: 27.05.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Abgedreht

Früher war er ein Exzentriker. Heute bezeichnen manche Helmut Berger nur noch als Spinner. Der österreichische Schauspieler wurde in den Sechzigern zum einen als Darsteller des nicht minder abgedrehten Märchenkönigs Ludwig II. berühmt, zum anderen als Bettgespiele des vierzig Jahre älteren Regisseurs Luchino Visconti. Schon damals für Skandale gut, flüchtete Berger nach Viscontis Tod 1976 in die Alkohol- und Drogensucht. Heute macht er vor allem Schlagzeilen, wenn er, wie im vergangenen Jahr bei Thomas Gottschalk, sichtlich vollgelaufen, Sätze wie "Zwei Stunden warte ich und masturbiere, um hier zu sitzen" vom Stapel lässt und zum krönenden Abschluss anderen Showgästen in den Schritt greift.

Wie mag eine Band klingen, die sich nach diesem Mann benennt? Zunächst einmal verwirrend, denn wer hätte gedacht, dass Richard Ashcroft inkognito bei einer Salzburger Nachwuchsband singt? Die stimmliche Ähnlichkeit von Sänger Paul Konarski ist verblüffend - der auffälligste, aber nicht einzige Grund für einen Eindruck, der sich mit jedem Lied verstärkt: "Sweet sensation" ist das strahlende The-Verve-Comeback-Album, das "Forth" nicht sein konnte. Eine ungewohnte Aussage vielleicht über eine recht elektronisch geprägte Band. Aber da ist dieser beiläufig coole Größenwahn. Die epische Feuerzeug-Hymnik von "Goodnight dreams" und "See ya next life", die sich in der engen Nachbarschaft von "One day" oder "Sonnet" ansiedelt. Britpop-Qualitäten, wenn auch nicht in der hemdsärmeligen Ladrock-Version, sind da schwer zu leugnen - egal, wie tief sie sich hinter der blubbernden, fiependen Kulisse von "Is there love inside?" oder dem Elektro-Western "Salon Kitty" ducken.

Darüber hinaus weist der Film, in den "Sweet sensation" eingebettet ist: Eine Hollywood-Klangcollage à la Hitchcock liefert den Vorspann. "Don't worry, there will be no blodshed", flüstert die gleiche Massenmörder-Stimme, die dem Hörer später versprechen wird, all seine Freunde zu töten. Erst dann setzt eine morbide Gitarre ein, die mit dem groovenden Eröffnungstrack "All you dirty dreamers" noch nicht viel zu tun hat. Wer sich diesem Sog entziehen kann, den lassen die schneidenden Pseudo-Geigen im Intro zu "Another love song" vermutlich genauso kalt wie die mantraartigen Hooklines von "Bitch of a company" und "Stop the century". Dass Helmut Berger irgendetwas mit "Sweet sensation" anfangen kann, ist nur schwer vorstellbar. Eines allerdings wird auch er kaum leugnen können: The Helmut Bergers sind vielleicht nicht ganz so kapriziös wie ihr Namenspatron - aber so einen guten Krimi wie "Sweet Sensation" hat der schon ewig nicht mehr gedreht.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • Another love song
  • See ya next life
  • Stop the century

Tracklist

  1. All you dirty dreamers
  2. I got your money
  3. Another love song
  4. Beast with a gun
  5. Lonely soldier
  6. Goodnight dreams
  7. Is there love inside?
  8. Salon Kitty
  9. Bitch of a company
  10. See ya next life
  11. Stop the century

Gesamtspielzeit: 39:11 min.