Austra - Feel it break

Austra- Feel it break

Domino / GoodToGo
VÖ: 13.05.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Unter dem Mantel

Vor nunmehr zwölf Jahren lud der japanische Regisseur Takashi Miike zu einer verhängnisvollen "Audition". Dabei begibt sich ein schöngeistiger Witwer auf die Suche nach einer neuen Partnerin. Sein perfider Trick: Er castet potenzielle Gespielinnen unter dem Vorwand, eine Darstellerin für einen Film zu suchen. Sein Plan geht auf, er trifft tatsächlich eine junge, attraktive und devote Frau, mit der er eine Affäre beginnt. In unaufgeregten, ruhigen Bildern entwirft Miike ein Szenario, in dem das Unbehagen dem erschlichenen Glück langsam die Luft abschnürt. Der Witwer endet gelähmt, blutend und schwer versehrt auf dem Fußboden seiner Wohnung, seine Herzensdame als Folterknecht über ihm. "Audition" taugt zum Schocker. Aber im Verborgenen, da ist mehr.

Auch die Kanadier von Austra erscheinen auf den ersten Blick wie ein gefundenes Fressen des blanken Konsums. Sie sind junge, stylische und attraktive Menschen, zu zwei Dritteln weiblich und spielen Synthie-Pop aus den Achtzigern. Zur ersten Single haben sie ein sexuell aufgeladenes Video im Stile Andrew Blakes gedreht, der schon stillschweigend die eine oder andere Idee für Lady Gaga bereitgestellt zu haben scheint. Und Frontfrau Katie Stelmanis genoss eine klassische Ausbildung und ist dazu noch bereit, offen über ihre sexuelle Orientierung zu sprechen. Für die Plattenfirma freilich ein Glücksgriff.

Das alles passiert an der Oberfläche. Austras Debüt "Feel it break" funktioniert auch auf dieser Ebene, denn es reiht ausnahmslos gelungene, glasklare Popsongs aneinander. In dieser Hinsicht liefert das Trio die bessere, klangvollere und weniger altbackene Version von Florence And The Machine ab. Neben dem kristallinen Sound jedoch birgt "Feel it break" gleichsam eine untergründige Bedrohlichkeit, die die technoide, verrußte Aggression einer Zola Jesus deindustrialisiert und der Feng-Shui-Freundin Tori Amos die Möbel verrückt. Austra sind auf den ersten Blick brav und harmonieliebend - um im nächsten Moment dem Gegenüber an den Hals zu springen: "I want your blood", wie Selmanis im verschrobenen "Shoot the water" singt.

Die herausragende Stärke Austras ist es dabei durchweg, die menschlichen Abgründe in musikalische Welten zu kleiden, die auf den ersten Eindruck zwischen dem barocken Ornament von "Lose it" oder der Kate-Bush-Hommage "The choke" gefälligen Achtziger-Pop bemühen. Diese Mehrdeutigkeit ist es, die Austra zu etwas Besonderem macht. Einzig die erste Single "Beat and the pulse" zeigt mit ihren DAF-Referenzen offen die Krallen. So offen gar, dass selbst die Sittenwächter des Konsums die Furcht überkam: Den Videoclip gibt es auf YouTube nur in einer entschärften Version, die nackten Brüste sorgsam verpackt. Irgendwie passend.

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • Darken her horse
  • Lose it
  • Beat and the pulse
  • The choke

Tracklist

  1. Darken her horse
  2. Lose it
  3. The future
  4. Beat and the pulse
  5. Spellwork
  6. The choke
  7. Hate crime
  8. The villain
  9. Shoot the water
  10. The noise
  11. The beast

Gesamtspielzeit: 47:10 min.

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User Beitrag

Konrad

Postings: 15

Registriert seit 15.05.2013

2013-06-14 14:43:57 Uhr
Doch, kommt noch. Wir mussten leider kurzfristig umdisponieren.

xspiralx

Postings: 444

Registriert seit 14.06.2013

2013-06-14 09:21:39 Uhr
Eine Rezi gibt es jedenfalls wohl erst mal nicht .. -_-
xspiralx
2013-06-12 11:22:06 Uhr
Die spielen doch erst diese Woche in Berlin, dachte ich? Oder waren die bei Rock am Ring?

Ich finde das erste besser, das hat musikalisch und auch stimmlich mehr zu bieten aber das neue Album wird immerhin bei jedem Hören besser und die Lieder schaffen es alle, sich gegen Ende noch zu steigern.
musie
2013-06-11 08:04:44 Uhr
das neue album ist besser als das erste. auch live sehr .. spannender auftritt letzte woche. die neuen lieder haben total überzeugt. die sirenenstimme ist auf dem neuen album nicht mehr so im vordergrund.
xspiralx
2013-06-10 23:55:00 Uhr
Neue Platte seit gestern im Stream.
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