Tyler, The Creator - Goblin

Tyler, The Creator- Goblin

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 06.05.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die dicksten Köder

Es ist so eine Sache mit den Heilsbringern und ihrer Anhängerschaft. Aus dem Nichts kommen sie, und der Jubel greift auf die Massen über. Genauso ist es nun auch bei Tyler, The Creator, seines Zeichens Rapper, Producer, Regisseur und Kopf der Künstler-Crew Odd Future Wolf Gang Kill Them All. Kaum macht die Website von Odd Future die Runde und streuen sich die kostenlosen Mixtapes rund um den Globus, geht die halbe Musikwelt steil. Dabei sticht zwischen den zahlreichen Downloads vor allem "Bastard" heraus, jenes überlange Werk von Tyler, das die Therapie startet. Das erste offizielle Studioalbum "Goblin" führt die Nummer nun weiter. Die verzerrte düstere Stimme des Therapeuten ist sofort präsent, und auch die Gewalt, der Zorn und der Hass auf den eigenen Vater sind erneut auf die mehr als siebzig Minuten gebannt. Und zwischen den Veröffentlichungen gibt es noch reichlich Stoff für Hype und Gespräche, brannten Odd Future doch mit den Roots mal eben das Studio von Jimmy Fallon nieder. Der Clip zu "Yonkers" sorgt für Hitstorms, und jedes Magazin will sich die weisen Worte von Tyler für ein Interview sichern. Der hingegen sieht das Elend bereits kommen: "I Give It A Month Before Everyone Hates Odd Future."

Kaum ist "Goblin" nun offiziell raus, weiß jeder natürlich, dass das hier doch nicht die Rettung des HipHops ist, dass die besten Tracks schon vorab veröffentlicht wurden, und überhaupt klangen die Beats ja schon immer so billig. Ein dickes "Fuck that" dafür. Denn sollte HipHop wirklich tot gewesen sein, sind Odd Future die Exhumierung des Genres und Tyler der Schamane vom Dienst. Die dröhnenden Bässe und ranzigen Synthies von "Radicals" sind die totele Umkehrung des bombastisch aufgeblasenen Sounds, den die Black Eyes Peas etabliert haben, und an den sich jeder Act nun anbiedert. Ausgetrocknet knarzt "Tron cat" auf den knochigen Beat, auf den Tyler spuckt. Auch das stumpf eröffnende Goblin, das auf der Schwelle zum SpokenWord steht und dann doch irgendwo in seinen Tiefen einen Flow auspackt, schiebt sich locker an aufmerksamkeitsunfreundliche sieben Minuten heran. Danach verdrehen sich die Rhymes, biegen ihren Sinn zum Bruch in "Yonkers" und brennen sich in den Hirnstamm ein. Die Dunkelheit zieht sich durch den unbändigen Hass und die Wucht, mit der Tyler seine Stimme einsetzt. "Fish" und "Boppin bitch" stoßen sich gegenseitig ab und funktionieren gerade durch den Bruch zusammen perfekt. "Goblin" ist eine Platte, die aus dem Moment entstand, die die Dinge bei den Eier packt und zudrückt. So lange, bis der Schmerz zur Erinnerung geworden ist.

Aus den einzelnen Schritten zur Problembewältigung wird ein Strudel aus Nichts, denn hinter jeder Ecke liegt die nächste und die nächste. Erst in "Golden" schwillt die ganze Kiste langsam an und schluckt den Hörer komplett. Trotz der Rechtfertigungen etwa vor "Radical" verliert "Goblin" nichts von seiner Kraft. Es ist sowieso alles bis aufs Äußerste durchironisiert. Fakt und Fiktion sind Pointen, die nur im Zusammenspiel funktionieren. Die Sicht eines Außenseiters, der sich die Welt Untertan macht. Das verpeilte "She" läuft da mit seinen Konserven-Takten direkt in die überspitzte Hook von Frank Ocean, bevor "Transylvania" wenig später wieder am Hysterie-Rad dreht. "Goblin" breitet sich aus und drückt alles zur Seite, was sich ihm in den Weg stellen könnte. Jeder Track gehört auf diese Platte, die so wenig Raum zum Luftholen lässt und sich zuerst so undurchdringlich gibt. Doch Tyler kennt den Köder, um die Aufmerksamkeit zu bekommen. Angebissen haben viele - dass derart herzhaft zurückgebissen wird, konnten sie schließlich nicht ahnen.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Yonkers
  • Sandwitches (feat. Hodgy Beats)
  • Fish / Boppin bitch
  • Golden

Tracklist

  1. Goblin
  2. Yonkers
  3. Radicals
  4. She (feat. Frank Ocean)
  5. Transylvania
  6. Nightmare
  7. Tron cat
  8. Her
  9. Sandwitches (feat. Hodgy Beats)
  10. Fish / Boppin bitch
  11. Analog
  12. Bitch suck dick (feat. Jasper Dolphin & Taco)
  13. Window (feat. Domo Genesis, Frank Ocean, Hodgy Beats & Mike G)
  14. AU79
  15. Golden

Gesamtspielzeit: 73:55 min.

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User Beitrag

Mister X

Postings: 2351

Registriert seit 30.10.2013

2016-07-06 13:45:30 Uhr
burger von der special edition fickt aber gewaltig muetter. generell fickt das album muetter. recht unterschaetzt und haette auf jeden fall best new music werden muessen

Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

2016-07-06 13:42:31 Uhr
Darauf kann man sich einigen. Das Album ist aber einfach zu durchwachsen.

edegeiler

Postings: 1271

Registriert seit 02.04.2014

2016-07-06 13:40:56 Uhr
Goddamn Goblin.
Album nicht gehört, Yonkers aber einer der besten HipHop Tracks der Dekade.
Demon Cleaner
2013-03-30 00:28:58 Uhr
Finde das Album irgendwie sehr überschätzt. Ein paar ziemlich geile Tracks dabei, aber über 70 Minuten nicht wirklich durchgehend spannend.
ähhh
2013-03-29 20:18:48 Uhr
Seine Aussage zu widerrufen macht das Gesagte nicht zum Paradoxon. Nur mal so.
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