Solander - Passing Mt. Satu

Solander- Passing Mt. Satu

A Tenderversion / Al!ve
VÖ: 20.05.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ein Berg von einem Album

Zugegeben: Dass es in den letzten Jahren nicht gerade einen Mangel an gutem bis verzückendem Folk zu beklagen gab, hat einen mindestens so langen Bart wie viele der verantwortlichen Musiker. Erfreulich ist es trotzdem, wenn man gerade noch mit Noah And The Whale und den Fleet Foxes jauchzend in den Frühling gehüpft ist, nur um gleich im Anschluss auf die nächste akustische Reise eingeladen zu werden. Keine Zeit, sich bei so viel Auswahl mit Solander und ihrem zweiten Album zum "Mt. Satu" aufzumachen? Es lohnt sich, das schwedische Kollektiv um Fredrik Karlsson zu begleiten.

Naturverbundenheit liegt nahe bei einer Band, die als Namenspaten den Botaniker Daniel Solander erwählt hat. Wo das titelgebende Bergmassiv genau liegt, davon hat zwar zumindest Google keinen blassen Schimmer, doch nach der Musik zu schließen muss es sich um einen recht geheimnisvollen Ort handeln: Es sind berührend schöne Klangbilder, die Solander zeichnen, aber trotz des warmherzigen Banjopickings und des hellen Glockenspielplätscherns scheint mehr als noch auf dem Vorgänger "Since we are pigeons" fast immer etwas Tiefes, Ungewisses mitzuschwingen. "It is pretty sure we are going to drown", kündigt "Generations lost" zu Beginn unheilschwanger an und tatsächlich liegt der Melancholiepegel zunächst nicht gerade niedrig.

Der Trip, der mit dem "Porch sitting song" so lauschig auf der Veranda startete, führt in neblige Gefilde: Wo sonst Geigen ein paar musikalische Blümchenteppiche verlegen würden, fügt Anna Linnas Cello eine deutlich elegischere Note hinzu. Mal echot es in "Flight" das auf der Reise allgegenwärtige Chorhauchen, dann verschmilzt es in "The garden" zitternd mit den stoisch stampfenden Viertelschlägen. Ein paar mystische Fabelwesen, seien es Trolle, Feen oder Gnome, würden in dieser Stimmung kaum für größere Überraschung sorgen. Das Nashorn, das mit dem sanften Zupfen und Streichen von "Rhino" plötzlich auf der Bildfläche erscheint, kommt dann allerdings doch unerwartet.

In musikalischer Hinsicht ist es eher "Book of advice", das heraussticht. Lässig und mit einprägsamer Gitarrenendlosschleife im Anschlag könnte es durchaus seine Berufung als Werbeohrwurm für Trendprodukte beliebiger Art finden. Vielleicht doch gar nicht so düster da oben in den Bergen? Die friedliche Stimmung, die das weich wiegende "Follow" gegen Ende verbreitet, legt es fast nah. Wo die Reise hinführt, ist nach vierzig Minuten so zwar noch immer nicht ganz klar, aber eine große Rolle scheint das ohnehin nicht zu spielen: "If you go there, I will follow", verspricht Fredrik Karlsson. Ob das romantisch oder obsessiv gemeint ist? Gute Frage. Das mit der Ungewissheit ist bei Solander längst zum Prinzip geworden.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • Generations lost
  • Rhino
  • Follow

Tracklist

  1. Porch sitting song
  2. Generations lost
  3. Flight
  4. The garden
  5. Tuuli
  6. Book of advice
  7. Rhino
  8. Flod
  9. Follow
  10. Huckleberry Finn

Gesamtspielzeit: 42:11 min.

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