Pantha Du Prince - XI versions of Black noise

Pantha Du Prince- XI versions of Black noise

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 15.04.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Im Legoland

Mit "Black noise" schuf Pantha Du Prince letztes Jahr ein Meisterwerk, das nicht nur klassische Techno-Fans in die Clubs und an die Kopfhörer zwang, sondern auch den Horizont von Indierockern und Postpunkern zu erweitern wusste. Kollege Jakobs und die SPEX fanden dafür das glückliche Wort "Romantik": Die Naturverehrung von "Black noise" zeigte deren Ambivalenz subtil an, denn der schwarze Lärm meinte nichts anderes als das unvernehmbare Signal des baldigen, naturgewaltigen Unheils. Allein die Techniken des Menschen haben es ihm möglich gemacht, das künftig Überrollende nun wahrzunehmen - er mag fliehen, die Natur aber, sie bekommt ihr Recht.

Stellt sich die Frage, was ein Remix einer Veröffentlichung dieser Güte eigentlich darf: in Ehrfurcht erstarren und die Stärken des Originals auf Hochglanz polieren? Respektlos den Größen ans Fleisch gehen und nach Belieben sezieren, zersägen, unkenntlich machen? Sprich: "XI versions of Black noise" konservieren einige brillante Ideen des Originals, in den starken Momenten treten sie gar aus dessen Schatten heraus, aber insgesamt gelingt es nicht, aus den grandiosen Vorlagen gleichwertiges Material herauszupressen. Nicht unschuldig daran ist die zweifelhafte Entscheidung, "Stick to my side" ganze fünf Mal zu remixen, war doch gerade dieser Track die einzige offene Wunde des Drittwerks von Hendrik Weber. Noah Lennox' gesangliche Eskapaden nervten und fügten sich schwerlich ein in Webers Kontemplationen. Tatsächlich zeigen sich gleichermaßen Licht und Schatten der Remixe im Umgang mit dieser Stimme: Zwischen laut und leise, liquidiert, komatös und quietschfidel geben sich die Remixer unentschieden. Am klügsten agiert da Carsten Jost mit der Wucht seines aggressiv-düsteren Basspulses: Anstatt wie Four Tet oder Efdemin feingeistig zu dekonstruieren, destruiert er die Lennoxsche Stimme lieber vollends und wächst so über den Ursprung hinaus.

Insgesamt sind diese elf Versionen weitaus clubtauglicher geworden als ihr Ausgangspunkt. Dabei leiden der Tiefgang und der homogene Eindruck, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Pantha Du Prince vielerorts für offene Münder sorgte und so manche Besprechung ins Feuilleton gehievt wurde. Es bleiben starke Akzente wie "Satellite sniper", das Hieroglyphic Beings zu einer scharfkantigen Fassung von Mr. Oizo schleift, oder der Ausklang mit "Stick to my side", den Walls in warmen Ambient zerstäuben. Ebenso positiv überrascht jene Version von "Welt am Draht", bei der Die Vögel das ursprünglich meditativ-perkussive Original mit Trompeten und Flöten in einen gänzlich neuen Kontext zwischen Neurose und Melancholie schieben. Diese "XI versions" glänzen zweifellos - aber ihre plastizide Kurzweil scheint gegen "Black noise" auf sandigem Grund gebaut.

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • Die Vögel: Welt am Draht
  • Carsten Jost: Stick to my side
  • Walls: Stick to my side

Tracklist

  1. Moritz von Oswald: The one version of Welt am Draht
  2. Die Vögel: Welt am Draht
  3. Lawrence: Stick to my side
  4. Four Tet: Stick to my side
  5. The Sight Below: A nomad's retreat
  6. Efdemin: Stick to my side
  7. Hieroglyphic Being: Satellite sniper
  8. Carsten Jost: Stick to my side
  9. Animal Collective: Welt am Draht
  10. Pantha Du Prince: Fata morgana Version of Lay in a shimmer
  11. Walls: Stick to my side

Gesamtspielzeit: 78:25 min.

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