Moby - Destroyed

Moby- Destroyed

Little Idiot / Warner
VÖ: 13.05.2011

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Schlaflos

Schrecklicher Verdacht: Ist Moby unter Plattentests.de-Redakteuren womöglich nicht der allerbeliebteste Künstler? Sicher nur ein böses und natürlich unwahres Gerücht. Andererseits: Wenn bei der wöchentlichen Neuerscheinungenkonferenz die Sprache auf Richard Melville Hall kommt, tun alle Anwesenden plötzlich so, als hätten sie gerade etwas ganz besonders Interessantes an der marmorverkleideten Wand des Besprechungsraums entdeckt. Dabei weiß doch jeder: Der vegane Ex-Punk mit eingebauter Melancholie in der Elektronik und der tapferen Tierschützerseele kann einem nichts Böses tun.

Auch der nur scheinbar zerstörerische Titel seines neunten Albums ist halb so schlimm und bezieht sich lediglich auf den Spruchband-Hinweis an einem New Yorker Flughafen, der mit der Vernichtung unbeaufsichtigten Gepäcks droht. Weniger ein mahnender Hinweis auf die Blüten, die die globale Terrorismusbedrohung treibt - eher eine Versinnbildlichung des Tourlebens und der damit verbundenen vorübergehenden Heimatlosigkeit. Im Hotel verbrachte der New Yorker manche schlaflose Nacht am Laptop - und es müssen viele Nächte gewesen sein, denn auf "Destroyed" hat er offenbar jede Menge zu erzählen.

Das Problem: Er erzählt nur wenig Interessantes. Dass Moby meist Zurückhaltung übt, statt sich aufzudrängen, macht aus ihm zwar eine sympathische Erscheinung, auf massive Albumlänge aber auch einen einigermaßen spröden Langweiler. Zuweilen deuten verhuschte Stimmsamples und verdrehte Beats dezente Dubstep-Schwermut an und steht opulenter Soundtrack-Pomp in den Startlöchern - zu Ende gedacht geschweige denn gespielt werden diese Ansätze jedoch kaum. Und so dreht sich Moby zusehends um sich selbst. In gemächlichem Tempo und ohne große Ausschläge nach oben und unten.

Natürlich liegt er dabei nicht immer falsch: Der trauernde Vocoder von "Be the one" entwickelt zusammen mit blitzblank arrangierter Geräuschwand einen beträchtlichen Sog, und das sich langsam steigernde "The day" geht als kontemplativer Pop mit tröstlicher Shoegaze-Schlagseite durch. "After" lässt zu infektiöser Zwei-Finger-Sequenz und rollendem Breakbeat in durchwachter Nacht sogar buchstäblich die Sonne aufgehen. An dieser Stelle muss man sich jetzt idealerweise die Impressionen des Fotobandes vor Augen führen, der die Deluxe-Version von "Destroyed" begleitet - aber die kann man nun einmal leider nicht hören.

Immerhin: Großzügig aufgeschichtete synthetische Streicherflächen, listige elektronische Sperenzchen und nachdenkliche Grooves beherrscht Moby auch auf "Destroyed", als hätte er nie ein Stück mit der unglaublichen BPM-Zahl 1000 produziert. Sein Dilemma aber bleibt das eines Track-Schraubers, der Songs schreiben will, diese aber oft nicht mit Leben zu füllen vermag und ihre vielen losen Enden darum mit Versatzstücken aus seiner zweifelsohne umfangreichen Soundbibliothek zukleistert. Auch wenn Moby es besser kann, behalten wir den schrecklichen Verdacht also lieber erst einmal im Hinterkopf. Hoffentlich zu Unrecht.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Be the one
  • The day
  • After

Tracklist

  1. The broken places
  2. Be the one
  3. Sevastopol
  4. The low hum
  5. Rockets
  6. The day
  7. Lie down in darkness
  8. Victoria Lucas
  9. After
  10. Blue moon
  11. The right thing
  12. Stella Maris
  13. The violent bear it away
  14. Lacrimae
  15. When you are old

Gesamtspielzeit: 71:46 min.

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