Cass McCombs - Wit's end

Cass McCombs- Wit's end

Domino / GoodToGo
VÖ: 22.04.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zum Verzweifeln schön

Es gibt nicht viel, was man über Cass McCombs abseits seiner Musik weiß. Das liegt zum größten Teil daran, dass der gebürtige Kalifornier nicht unbedingt zu der Sorte Menschen gehört, die mit ihrem Privatleben hausieren gehen, zum anderen daran, dass es tatsächlich Leute gibt, die ohnehin noch nie von ihm gehört haben. Das ist natürlich das Pech des Einzelnen. Ob es den pressescheuen McCombs selbst stört, darf gerne bezweifelt werden. Ohnehin hatte er in den letzten Jahren genug zu tun, als dass er sich um das Gerede anderer groß kümmern könnte. Mit der Gitarre im Gepäck reiste er kreuz und quer durch die Staaten und lebte sein Nomadendasein, während er nebenher sein fünftes Studioalbum "Wit's end" aufnahm. Und auch hier darf gesagt werden, dass er seit dem 2009er-Album "Catacombs" eine große Strecke zurückgelegt hat.

"Wit's end", grob übersetzt "Das Ende des Humors", nannte er sein neustes Werk also, und, das wird bereits in den ersten Minuten deutlich, damit übertreibt er in keiner Weise. Sang er vor zwei Jahren noch von Liebe und Heiterkeit, ist das Thema 2011 die Traurigkeit. Das einsame Leben des Verlassenen in der tristen Eintönigkeit der dunklen Nacht. Soll heißen: Sehr viel düsterer geht es kaum. Allein der Titel von "Buried alive" lässt das Herz kurz aussetzen, die schwermütige Melodie, unterstützt vom Mellatron, und McCombs liebeskummergetränkter Gesang tun ihr Übriges. Fast könnte man meinen, dass er es gut mit den Hörern meinte, als er nur acht Songs auf "Wit's end" packte - vielleicht hätte er selbst aber auch nicht mehr ausgehalten. "The lonely doll" erzählt von einem Mädchen, jung, unschuldig und zerbrechlich wie Porzellan: McCombs wiederholt den Titel so oft, dass auch hier jede Hoffnung, dass es sich bei dem Mädchen um ein glückliches gehandelt haben könnte, in einem schaurig-schönen Gefühl begraben wird.

Das an Elliott Smith erinnernde "Hermit's cave" bildet da keine Ausnahme. Der besungene Käfig des Eremiten wird hier beim Hören immer enger, und McCombs beweist sein Talent, mit Emotionen zu spielen: Zu seinem fragilen Gesang und den Gitarrenklängen gesellen sich wiederholende Schläge im Hintergrund, die bedrückend wirken und von Mal zu Mal lauter zu werden scheinen. Das Spiel mit den Gefühlen zieht sich auch durch den letzten Songs dieses unheilsschwangeren Albums, "A knock upon the door". Neun Minuten lang wird hier in Leonard-Cohen-Manier das Gespräch eines mehr oder weniger gefallenen Künstlers und seiner Muse belauscht - neun Minuten werden in einem Aufwasch all die bösen Fallen durchgereicht, in die die Menschheit seit jeher freiwillig läuft: Sex, Betrug, Existenzangst, der Drang zur Unsterblichkeit respektive die Panik vor der Sterblichkeit. "Wit's end" hat mit Humor oder einem bloßen Lächeln tatsächlich nichts mehr zu tun. In all seiner Düsterkeit und Verzweiflung ist es aber dennoch ein Album, das man sich auch bei heiterer Gemütslage anhören sollte. Im Ernst.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • The lonely doll
  • Buried alive
  • A knock upon the door

Tracklist

  1. County line
  2. The lonely doll
  3. Buried alive
  4. Saturday song
  5. Memory's stain
  6. Hermit's cave
  7. Pleasant shadow song
  8. A knock upon the door

Gesamtspielzeit: 47:23 min.

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