Lude - Ego

Lude- Ego

bluNoise Forever / EFA
VÖ: 28.01.2002

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Brandentschleuniger

Wenn man sich durch harte Arbeit und quere Ideen den Ruf des besten deutschen Produzenten für die Geschmacksrichtung links vom Mainstream erworben hat, ist einem die Suche nach Extremen wohl längst schon in Fleisch und Blut übergegangen. Wer aber hätte nach dem doomig-verqueren Debüt "Herzlude" gedacht, daß Guido "Lude" Lucas sich die Inspirationen inzwischen bei ganz anderen "Göttern" holt? "Ego", der bonbonfarben schillernde Zweitling des losen Kollektivs um den Troisdorfer Noisegott scheint nämlich nach Montreal zu schielen, wo sich um die Crescendo-Extremisten Godspeed You Black Emperor! eine Szene mit dem Hang zu ausufernden Instrumentalfrickeleien zwischen Armageddon und Ästhetik entwickelt hat.

Die ersten Minuten des einzigen Tracks auf "Ego" begrüßen den Hörer mit Vogelgezwitscher und süßlichem Weihrauch. Es wabert, es klingelt, es psychedelisiert, und schon droht man, in esoterischem Einerlei zu versinken. Die Geschichte, die hier geflüstert wird, scheint die Bedeutung des Wortes "Ausuferung" neu definieren zu wollen. Immer wieder versuchen Panflöten um den Kitsch herum zu zwirbeln, verharren aber in ätherischer Bewegungslosigkeit. Bis sich für einen winzigen Moment eine erste ungezügelte Gefühlsregung zeigt, dauert es immerhin eine geschlagene Viertelstunde.

Nach halben Ewigkeiten erst perlen unvermutete Gitarrentropfen ins Bild. Sie kreiseln umeinander, schichten sich auf und fahnden nach der Erhabenheit des Klangs. Immer wieder huschen süßliche Ahnungen umher, und die Lautstärke zieht sich schüchtern zurück. Minute 22 endlich öffnet dann einem Hauch von Dunkelheit die Tür. Finster erscheinende Klaviertupfer locken die verkrochenen Gitarren geduldig wieder hervor. Doch es dauert weitere zwölf Minuten, bis sie sich endlich zu einem Aufbrausen entschließen können. Hier hat "Ego" seinen majestätischsten Moment, und für einen Augenblick erhebt man seine dünnen Fäuste wie Antennen in den Himmel.

Auf der Suche nach neuen Klängen schrammt "Ego" dabei nur knapp an der allzu esoterischen Suche nach dem eigenen Selbst vorbei. Geduld ist dabei des Hörers wichtigster Begleiter. Während die ohrenscheinlichen Vorbilder aus Kanada nämlich wissen, wie man durch das ständige Zusammenspiel von Laut und Leise schier unglaubliche Spannungsbögen erzeugt, verharrt die simplifizierte Variante von Lude meist auf einer Idee und lebt diese oft ein wenig zu konsequent aus. Wenn die Zeiger der Uhr weiter nur mühsam über das Zifferblatt kriechen, stellt man bald fest, daß die Zeit diesmal kein wirklicher Freund ist.

(Oliver Ding)

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Highlights

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Tracklist

  1. Ego

Gesamtspielzeit: 52:03 min.