Art Brut - Brilliant! Tragic!

Art Brut- Brilliant! Tragic!

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 20.05.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

So sexy

Art Brut sind beileibe nicht die erste Band, die es plötzlich richtig wissen will. Die sich im Studio mehr Zeit lässt, beim Songwriting in die Vollen greift und ihr nächstes Album zum Meisterwerk machen will. Allerdings sind Art Brut eine Band, bei der solche Vorgänge für Sorgenfalten auf der Stirn sorgen. Schließlich lebte die englische Combo stets vom Charme des Underdogs und der Ästhetik des Unperfekten. Wenn Eddie Argos dann auch noch freudestrahlend verkündet, dass er auf dem vierten Album "Brilliant! Tragic!" zum ersten Mal richtig singen werde und dass seine Band nunmehr "weightier topics" behandele, dürften es Fans der ersten Stunde endgültig mit der Angst zu tun bekommen. Wäre da nicht der Zusatz: "I'm also sexier now". Man sieht: Argos ist immer noch der Alte. Der Spaßvogel. Und Art Brut haben auf "Brilliant! Tragic!" auch keineswegs eine komplette Neuausrichtung vollzogen. Puh.

Trotzdem: Ein paar der neuen Songs erweitern die zuvor eher eng gesteckten Grenzen des Art-Brut-Kosmos um einige Meter. So tummelt sich neben den gewohnt knackigen Rockhymnen mit "Is dog eared" ein Lied, das fast so lang ist wie drei andere zusammen. Offenbar hat Produzent Frank Black der Band zudem noch einmal gezeigt, wozu der Lautstärke-Regler am Verstärker gut ist und so für ungewohnt freudiges Spiel mit der Dynamik gesorgt. Dass Argos seine Stimme als Instrument entdeckt hat, geht bestimmt auf das Konto der Pixies-Legende. "I want to be played in the background / When couples drink their wine / That would be a triumph / With a voice like mine", verkündet die Front-Tröte zwar gewohnt selbstironisch, doch nach kurzer Gewöhnungszeit wissen Argos' schüchterne Versuche, einen Ton zu halten, durchaus zu gefallen. Und plötzlich gibt es dank neuer Sangeskraft in "Ice hockey" einen fast schon mantra-artigen Zwischenpart auf die Ohren, den man Art Brut so nicht zugetraut hätte. Oder mit "Sealand" eine besinnliche Schunkelnummer, in der Argos fast unironisch von einer gemeinsamen Zukunft in der winzigen Piratennation vor der Küste Englands träumt.

Aber natürlich haben die ulkigen Briten bei allem Entdeckergeist ihre Königsdisziplin nicht vergessen. Was bissige Mitgröl-Punkhymnen angeht, macht Art Brut immer noch kaum einer was vor. Wer eine Ode an Guns'n'Roses-Frontsau Axl Rose mit einem Arsenal an Schimpfwörter füllen kann, ohne in stumpfes Gedisse zu verfallen, verdient größte Bewunderung. In "Bad Comedian" spuckt Argos hingegen wütende Zeilen aus, die jedem Besucher eines Mario-Barth-Auftritts an die Stirn geheftet gehören. Und beim Opener "Clever, clever jazz" kann man das breite Grinsen auf den Gesichtern der Bandmitgliedern förmlich spüren, als sie den Hörer für etwa eine Minute auf eine falsche Fährte locken. Das alles fügt sich zu einem spritzigen Album zusammen, dem unterhaltsamsten seit dem legendären Debüt "Bang bang rock and roll". Auf "Brilliant! Tragic!" ist zwar so manches neu. Doch Art Brut sind unzweifelhaft immer noch die Alten. Nur ein wenig sexier.

(Mark Read)

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Highlights

  • Clever, clever jazz
  • Bad Comedian
  • Axl Rose

Tracklist

  1. Clever clever jazz
  2. Lost weekend
  3. Bad comedian
  4. Sexy sometimes
  5. Is dog eared
  6. Martin Kemp Welch Five-a-side football rules!
  7. Axl Rose
  8. I am the psychic
  9. Ice hockey
  10. Sealand

Gesamtspielzeit: 40:11 min.

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