Friendly Fires - Pala

Friendly Fires- Pala

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 13.05.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Schweißband

Ein großer Coup, so scheint es zumindest: Friendly Fires angelten sich für ihr zweites Album mit Paul Epworth wohl einen der Produzenten der Stunde. Wer bereits zu ihrem Debüt und hier vor allem bei Epworths hervorragender Produktion von "Jump in the pool" ausschließlich an The Rapture denken konnte, mag nun meinen: Bei dieser Kombination kann doch im Grunde nur schief gehen, was nicht ohnehin bereits nach zu viel Nightclubbing bettfertig ist. Doch Pustekuchen - waren Epworths Arbeiten für etwa Adele, Bloc Party oder Florence & The Machine überaus spannende Grenzgänge, so wird die Sache bei den von vornherein tanzorientierten Friendly Fires wesentlich delikater.

So werden auf "Pala" die Shoegaze-Gitarren des Debüts durch Trance-Flächen ersetzt und wissen sich die Samba- und Hawaii-Percussions gegen die stampfenden Beats kaum noch durchzusetzen (wenn sie denn überhaupt auftauchen). Zudem lungern allerlei Sequencer-Sounds stets um die allernächste Ecke. Und auch Ed Macfarlanes Stimme klingt mit einem mal nicht mehr wie ein äußerst produktives Missverständnis, sondern nach einem 80er-Remix auf Dauerrotation. Genau das passiert auch einem Lied wie "Live those days tonight", bei dem der Hörer irgendwann keine wirkliche Ahnung mehr hat, wo Friendly Fires überhaupt hinwollen. Auf über fünf Minuten gibt es Einbrüche und elektronisches Tüdelüdüd en masse, letztlich wirkt das aber fern jeglicher Konsistenz. Tief im Inneren tapst zwar ein prima Song schüchtern vor sich hin, wird von allem anderen aber nahezu überrannt.

Gottlob machen es gleich darauf "Blue cassette" und später "Show me lights" wesentlich besser. Tiefe Bässe, klackernde Keyboards und Steeldrums verschmelzen mit dick wummernden Beats, und eine unterschwellige Melancholie lässt die Refrains groß aufgehen. Jede Faser dieser Songs und vor allem ihrer Bassdrums schreit: Mich hält nichts und niemand auf - was auch auf weitere Teile von "Pala" durchaus zutrifft. "Running away" etwa steckt derart voller 80er-Sounds, dass Twix auf einmal wieder Raider heißt, der Hörer hopplahopp fluxkompensiert wird und allein deshalb äußerst skeptisch auf die Nähte seiner Tennisshorts blickt. Nur gut, dass die Miami-Vice-Drumpattern, der Slap-Bass und die Glocken zum Refrain das Schweißband als Kauersatz gleich mitliefern. Denn hier sind eindeutig eine Menge Nährstoffe drin, und zwar nicht nur, wenn Macfarlane sein (Himmi)Jimmy-Somerville-Falsett anschmeißt.

Bei "Hurting" hingegen platzen derlei Nachtschattengewächse der Erinnerung urplötzlich zu kreischfressenden Pflanzen auf. Wenn die Synthie-Plops und -Flops jetzt auch eher aus der 70er-Disco stammen mögen: Das ist viel zu starker Tobak. Spätestens nach dem klackernden Funk von "True love" und "Pull me back to earth" ist dann glasklar, dass "Pala" ein Album werden sollte, das sich ohne weitere Fragen im Dance verwurzelt. Dabei fällt Friendly Fires und Epworth teils allerdings kaum mehr ein, als die Percussions durch Dinosaurier aus dem Soundarchiv zu ersetzen. Genau dadurch aber entziehen Friendly Fires ihren Songs die klangästhetische Konfrontation zwischen Schärfe und Plüsch, die das Debüt derart großartig machte. Zudem gleicht in dieser neuen Klangwelt ein Refrain oftmals zu sehr dem anderen. Was bleibt ist immerhin ein Album, das von vorn bis hinten knallt - des Öfteren aber leider eben auch ziemlich durchknallt.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Blue cassette
  • Running away
  • Show me lights

Tracklist

  1. Live those days tonight
  2. Blue cassette
  3. Running away
  4. Hawaiian air
  5. Hurting
  6. Pala
  7. Show me lights
  8. True love
  9. Pull me back to earth
  10. Chimes
  11. Helpless

Gesamtspielzeit: 45:49 min.

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