Smith Westerns - Dye it blonde

Smith Westerns- Dye it blonde

Domino / GoodToGo
VÖ: 29.04.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Spurenleser

Hipstermusik aus Kanada und den USA muss sich oftmals den Vorwurf gefallen lassen, sie sei zu wenig songorientiert. Vertrackte Strukturen wechseln sich mit kurzen Melodiebögen ab, die dann wieder im Nichts enden. Die Songs dahinter sind nur schwerlich auszumachen. Doch hebt sich zumindest hier eine Band hervor, welche den klassischen Popsong mit Gitarre für sich entdeckt hat und über diesen Vorwurf erhaben ist: Smith Westerns bestechen auf ihrem zweiten Album "Dye it blonde" durch gediegenen Sommerpop mit Anspruch. Eingängige Melodien und Cullen Omoris Gesang konvergieren zu wahren Hymnen, die leicht ins Ohr schießen, dort aber auch einige Zeit verweilen. Das könnte Fluch und Segen zugleich für das Trio aus Chicago werden, denn womöglich wird man diese grandiosen Lieder sowohl in schicken Cabrios als auch in verranzten Szeneclubs vernehmen.

"Dye it blonde" ist der Nachfolger des lange Zeit nur auf Vinyl erhältlich gewesenen, selbstbetitelten Debüts, welches unter dem Prädikat "Hype" lief, dem man aber getrost Glauben schenken konnte. Er bescherte der Band sogar die Tourbegleitung einer MGMT-Konzertreise. In Deutschland sorgte und sorgt die taz dafür, dass man sich diesen Hype auch anno 2011 anschließen kann. Wenn das polternde "Dance away" aus Großraumdiskotheken schallt und jedermann "And we'll dance the night away" skandiert, sollte man sich daran also nicht stören, genauso wenig wie an "Nanana"-Chören, die hier fester Bestandteil sind. Man fühlt sich in die große Britpop-Zeit um das Jahr 1995 herum zurückversetzt, als eine Anything-goes-Mentalität vorherrschte, nur dass jetzt die große Sause auf der anderen Seite des Atlantiks abgeht.

Das Album beginnt mit einer trunkenen Hommage an die Zweisamkeit an Wochenenden: "Weekends are never fun / Unless you're around here too" heißt es lapidar in "Weekend". Gitarre und Freude, ganz viel Freude dominieren die wolkenlose Szenerie. Das großartige "Imagine pt.3" ist zwar kein Lennon-Gedächtnis-Song geworden, könnte aber ebenso ein Klassiker werden. Fast! Man sollte nicht übertreiben und übermütig werden. Aber schon zu Beginn spürt man, wohin Smith Westerns auf "Dye it blonde" streben: Weg vom verzerrten Lo-Fi des Debüts und hin zur großen Arena. Hier wird sich irgendwo zwischen ELO, T. Rex und Blur eingenistet.

Und wer jetzt denkt, die müssen doch irgendwann einmal abbauen, täuscht sich gewaltig. "Dye it blonde" hat keine Ausfälle. Piano und Mitsingrefrains sorgen dafür, dass die Spannung gehalten wird. Jeder erkennbare Schnörkel wird in Melodie transformiert. Man gibt sich hier schließlich songorientiert. Wenn die zehn Songs mit dem Verklingen des vergleichsweise sperrigen "Dye the world" in die persönlichen Annalen eingegangen sein werden, wird die Welt anders eingefärbt sein als zuvor. Nicht unbedingt blond, wie der Titel suggeriert, aber mindestens in grellen Farben. Urbi et Orbi, so lautet das Motto des Papstes zu Ostern. Der Stadt und dem Erdball wird es gefallen. Ein wahrer Segen, wenn der Fluch auf unbestimmte Zeit verschoben wird!

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Weekend
  • Imagine pt.3
  • All die young
  • Dance away

Tracklist

  1. Weekend
  2. Still new
  3. Imagine pt.3
  4. All die young
  5. Fallen in love
  6. End of the night
  7. Only one
  8. Smile
  9. Dance away
  10. Dye the world

Gesamtspielzeit: 35:26 min.

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