Crystal Stilts - In love with oblivion

Crystal Stilts- In love with oblivion

Fortuna Pop! / Cargo
VÖ: 15.04.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Allzeit breit

Von wegen "oblivion". Bei Crystal Stilts gerät so schnell nichts in Vergessenheit. Weder die Rauchschwaden, die einst in Andy Warhols Factory den Gitarren von Lou Reed und Sterling Morrison entwichen, noch der feedbackgetränkte akustische Qualm, den man seit Mitte der Achtziger Jahre als Shoegaze kennt. Für die New Yorker selbst gilt das gleiche: Eine Band der Stunde wie The Pains Of Being Pure At Heart zählt sie zu ihren Lieblingen, und das zweite Album nach dem Debüt "Alight of night" ist hochantizipiert. Dass darauf nun nichts großartig Neues zu finden ist, sollte niemanden weiter verwundern - Großartiges gibt es jedoch wieder in Hülle und Fülle.

"In love with oblivion" besinnt sich noch etwas stärker auf die Dinge, die Sänger Brad Hargett, Gitarrist und Produzent JB Townsend und ihre Mitmusiker allenfalls aus der Plattensammlung der Eltern kennen dürften, statt sie bewusst mitzubekommen zu haben: Vorwärts stürzende Bass-Schlagzeug-Figuren und im Echo ersaufende Stimme saugen den Rockabilly-Altvorderen das Schmalz aus der Tolle, verhallter Surf-Rock verschmelzt klingelnde Obertöne aus der Twang-Gitarre mit einem blubbernden Rumpel-Untergrund aus dezent speckigem Samt. Und so funktioniert dieses Album weniger als planetarisches Sit-In, sondern vielmehr als Raum-Zeit-Falle, in der alles gleichzeitig blüht und verdorrt.

Zum Beispiel der "Sycamore tree", aus dessen Geäst ein Mädchen Hargett verstohlen beobachtet, während Beat und geisterhafte Reverbs wie eine Lokomotive ächzen. Ein luftiger Opener, der dennoch so undurchlässig bleibt, als hätte die Band das Stück im Vakuum aufgenommen und dabei ihre liebe Mühe gehabt, nicht in einem schwarzen Loch zu verschwinden. Und ist es dann doch einmal passiert, folgt die Rettung auf dem Fuße. Wie bei den Auskopplungen "Shake the shackles" und "Through the floor", die ähnlich wie die 2009er Single "Love is a wave" nicht ganz nüchtern, aber standhaft zwischen Rock'n'Roll-Vibe und köstlichem Jangle-Pop daherwanken. Kümmern wir uns durch die Jahrzehnte - auf "In love with oblivion" kein Problem.

Denn Crystal Stilts wissen stets, in welche Richtung sie sich zu verbeugen haben. Bei der Doors-Moritat "Alien rivers" rasselt das Tamburin auf einem drohend emporwachsenden Orgelteppich mit den Ketten, und das vibrierende Riffing von "Precarious stair" leiht sich bei The Zombies respektvoll den Groove von "Time of the season" aus. Hargett singt dazu entweder wirres Hippie-Zeug wie "Finding feathers in my extended hair" oder berichtet vom Ortstermin auf dem Friedhof der Gefühle: "When will we discover / The place we buried love / And resurrect all of the lovers?" Man weiß es nicht. Doch immerhin dieses begeisternde Album hält genug Auferstehungen bereit - und beim Blick aufs Cover vergisst man endgültig, dass das hier nicht Planetentests.de ist. Zumindest für eine Dreiviertelstunde.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Sycamore tree
  • Shake the shackles
  • Precarious stair
  • Invisible city

Tracklist

  1. Sycamore tree
  2. Through the floor
  3. Silver sun
  4. Alien rivers
  5. Half a moon
  6. Flying into the sun
  7. Shake the shackles
  8. Precarious stair
  9. Invisible city
  10. Blood barons
  11. Prometheus at large

Gesamtspielzeit: 44:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
jeckyll
2012-03-31 19:18:41 Uhr
@retro
kennst die radiant ep? auch super!!!

alles, was sie anfassen, ist gelungen, hoffe die brechen nicht irgendwann mal ein.
retro
2012-03-30 19:20:19 Uhr
einfach immer noch ein wahnsinnig gutes album! meine derzeitige lieblingsband, wenn ich eine auswählen müsste. aber muss ich ja zum glück nicht.
nightowl
2011-06-10 00:34:40 Uhr
sehr großartig sogar! im in love with... crystalt stilts
simonechoule
2011-06-09 20:34:26 Uhr
grossartiges album!
Anonymer Ex-User
2011-06-08 20:51:56 Uhr
Von Visions zerrissen, von Sepx und Pitchfork gefeiert. Muss jeder für sich selbst entscheiden, auf wessen Urteil er mehr Wert legt. ;)
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