Cat's Eyes - Cat's Eyes

Cat's Eyes- Cat's Eyes

Loog / Cooperative / Universal
VÖ: 22.04.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Samt Pfoten

Mit Faris Badwan ist nicht zu spaßen. Diesen Eindruck kann man zumindest gewinnen, wenn er einem als Front-Skeletor bei The Horrors den finsteren Garagen-Rockabilly von "Strange house" um die Ohren haut oder auf "Primary colours" mit dem Post-Punk-Dampfer Richtung Joy Division lospoltert. Doch im Grunde ist der Mann ein Kuschelbär, der zwar zu tief in den Schminktopf gegriffen hat, dafür aber Girl-Groups der Sechziger Jahre verehrt. Eine Vorliebe, die er mit Rachel Zeffira teilt, einer Sopranistin und klassischen Multiinstrumentalistin aus Kanada - und als beide das herausfanden, war die Freude so groß, dass sie vor Schreck ein Album aufnahmen. Unter günstigen Rahmenbedingungen, da sowohl die Schöne als auch das Biest die richtigen Leute kennen.

Für die visuelle Seite rekrutierte Badwan Videokünster Chris Cunningham, der schon aus dem Horrors-Clip "Sheena is a parasite" ein hektisches Grusical machte, und dank Zeffiras Beziehungen im klassischen Bereich spielten die beiden sogar bei einer Nachmittagsmesse im Vatikan zwischen Heiligenikonen und protzigen Monstranzen. Ob das dem Herrgott oder wenigstens den angeblich anwesenden kirchlichen Würdenträgern zum Wohlgefallen gereichte, ist nicht überliefert - auf sparsame Albumlänge entzücken Cat's Eyes jedoch auf ganzer Linie. Mit wallenden Breitwand-Drone-Rockern und zuckersüß entschwebenden Torch-Songs. Fehlt eigentlich nur noch Phil Spector.

Doch da der auf unbestimmte Zeit verhindert ist, wurde auch Mischpultroutinier Steve Osborne gern genommen. Mit seiner Hilfe tapsen Badwan und Zeffira auf Samtpfoten durch engelsgleiche, ätherische Balladen, opulente Soundtrack-Arrangements und bassige Grooves und verhandeln dabei meist existenzielle Schattenseiten. "Not a friend" und "I'm not stupid" erzählen resigniert von der Unmöglichkeit einer zwischenmenschlichen Insel, die bezaubernde Liebeserklärung "The best person I know" droht an einer feindseligen Welt zu zerschellen, und auch der hinter verschwenderischem Zierat aus Bläsern, Pauke und Schellenkranz lauernde "Bandit" führt bestimmt nichts Gutes im Schilde.

Dennoch fährt Badwan auf diesem Album sein ghouliges Potenzial zu Gunsten von Zeffiras stimmlichen und musikalischen Reizen weitestgehend zurück. Ein hämisches "Don't try to tell me you're the only one / You're not anyone at all" im Uptempo-Twang von "Face in the crowd" leistet er sich zwar genauso wie bös zerrenden, langgezogenen Schreckenstaumel bei "Sooner or later", wo er sich nachdrücklich um einen Platz bei Siouxsies heulenden Gespenstern bewirbt. Doch sind die Krallen wieder eingezogen, muss dieses Album in seinem geschmackvollen Anachronismus weder Tod noch Teufel fürchten - und Raveonettes oder Last Shadow Puppets erst recht nicht. Keine Spur von Generve und Miau. Pfote drauf.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Cat's eyes
  • The best person I know
  • Face in the crowd
  • Sooner or later

Tracklist

  1. Cat's eyes
  2. The best person I know
  3. I'm not stupid
  4. Face in the crowd
  5. Not a friend
  6. Bandit
  7. Sooner or later
  8. The lull
  9. Over you
  10. I knew it was over

Gesamtspielzeit: 28:11 min.

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