Banjo Or Freakout - Banjo Or Freakout

Banjo Or Freakout- Banjo Or Freakout

Rare Book Room / Memphis / PIAS / Rough Trade
VÖ: 18.03.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schlaf, Zimmer!

Es kann Spaß machen, andere in die Irre zu führen. Falsche Fährten legen, ungekennzeichnet Texte klauen, Fake-Beiträge in Forum hinterlassen. Man darf sich nur nicht dabei erwischen lassen, sonst könnte es Ärger geben. Der italienischstämmige Londoner Alessio Natalizia hingegen hat so viel Ruhe dabei, dass ihn selbst das nicht kümmert. Banjo Or Freakout, sein noch verschlurfteres Projekt neben der Kuschelkissen-Elektronik von Walls, hat jedenfalls zwei Dinge ganz bestimmt nicht auf dem Schirm: Banjos und Freakouts.

Auf "Banjo Or Freakout" geht es um plüschige Moll-Akkorde, gedehnte Tremolos und tief atmenden Hall. In "105" schwappt eine gesunde Portion Sehnsucht über einen trägen Beat und gibt ihm dadurch Halt. Am Ende zerfließen Stimme und Elektronik in allgemeiner Wolkigkeit zwischen Ambient, Stargaze und, ja, Pop. "Go ahead" nimmt etwas mehr Tempo auf, weil es schon im Titel entschlossener sein will. Deswegen darf die akustische Gitarre ein wenig beherzter schrubben. Auch "I can't be mad for nothing" hat wohldosierten Nachdruck einprogrammiert. Natalizias näselndes Falsett hängt jedoch mit allerlei Oohs und Aahs noch im Traum von letzter Nacht fest, und an ein Aufraffen ist kaum zu denken.

"Move out" wartet danach mit Phil-Spector-Schlagzeug und melodramatischer Emphase auf, um es doch mal mit der Senkrechten zu probieren. Die Gitarre schrubbt kristallklar ins Rosa, die Elektronik knispelt und raspelt und verhaspelt sich genussvoll für den mulmigen Ausklang von "Fully enjoy". In "Black scratches" traut sich Natalizia dann sogar, eine satte Verzerrung auf die Gitarre zu legen. Das weiche Grollen der Saiten und das Tamburin sagen Dream Pop dazu und haben genauso recht wie das hypnotische Selbstmitleid von "Dear me". Echo? Echo.

Weil die pastellgetönten Wattebäusche von "Banjo Or Freakout" selbst für Couchpotatoes bisweilen zu zurückgelehnt klingen könnten, vergräbt Natalizia Schmerz und Sorgen in seine schummerigen Sounds. Immer wieder lichtet er den Nebel, um den weiten Raum und die sanften Texturen zu entblößen. Doch dann kehrt mit wabernder Orgel und sphärischen Loops diese bonbonbunte Ungewissheit zurück, mit der es sich so gemütlich unter die Kuscheldecke verkriechen lässt. Und was ist jetzt mit den Banjos und dem Freakout? "I don't want to start all over again."

(Oliver Ding)

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Highlights

  • 105
  • Idiot rain
  • Black scratches
  • Dear me

Tracklist

  1. 105
  2. Go ahead
  3. I can't be mad for nothing
  4. Move out
  5. Idiot rain
  6. Fully enjoy
  7. From everyone above
  8. Black scratches
  9. Dear me
  10. I don't want to start all over again

Gesamtspielzeit: 39:05 min.

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