The Airborne Toxic Event - All at once

The Airborne Toxic Event- All at once

Island / Universal
VÖ: 06.05.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Alleskönnenwoller

"Alles auf einmal"? Wer wird denn da gleich in die Rockstar-Größenwahnfalle trampeln? Aber ganz richtig vermutet: Es geht weiterhin bunt zu bei The Airborne Toxic Event. Das sympathische Chaos, mit dem der Erstling "The Airborne Toxic Event" gute Laune bereitete, bleibt erhalten, die Relikte der vergangenen Rockdekade werden auch auf "All at once" aufgelesen wie Pfandflaschen und sorglos abgegeben. Dabei scheint es nach zwei Tracks fast, als würde Frontmann Mikel Jollett im nächsten Moment mit den Glitzerflügeln von Brandon Flowers um die Ecke spazieren. Von wegen, mit "Changing" folgt ganz puristisches Riffgewackel - eher der Marke "Karohemd" zuzuordnen.

Nun ist Abwechslung eine erfreuliche Angelegenheit. Für originelle Ideen sorgt sie dennoch nicht automatisch - und die findet man auf "All at once" nicht immer. Warum zum Beispiel müssen sich mit dem Titeltrack und "Hail of something else" gleich zwei Songs so haltsuchend an "Sometime around midnight" anlehnen? Letzteres mag auf dem Debüt "The Airborne Toxic Event" ein strahlender Übersong gewesen sein, doch mit den Anknüpfungsversuchen verhält es sich wie mit einem zum zweiten Mal aufgegossenen Teebeutel: Das Ergebnis wird zusehends wässriger.

Mit "It doesn't mean a thing" versucht Jollett, ohnehin ursprünglich Journalist und Schriftsteller, sich an einer Zwei-Minuten-Familiensaga, wobei Akkorde und Erzählstruktur gleichermaßen schlicht ausfallen. In demonstrativem Kontrast rahmen "All for a woman" und "The kids are ready to die" den unbekümmert mithopsenden Rhythmus mit balladesker Gitarrenbegleitung ein - auf höchst unterschiedliche Art, denn während ersteres (zunächst) auf der gezupften Romantik-Schiene fährt, ist letzteres düstere Anti-Kriegs-Lyrik, die Erinnerungen an die Zeiten weckt, als im Englischunterricht Carl Sandbergs "Iron" auf dem Programm stand - junge Männer, die in schicken Uniformen aufgereiht in den Tod ziehen und so weiter.

Fast alles auf diesem Album könnte dennoch gut im Lokalradio laufen, fast alles würde dort vermutlich wohlwollend auffallen. Ob das der Anspruch von The Airborne Toxic Event sein muss, steht allerdings auf einem anderen Blatt, denn immer wieder schimmert durch: Da wäre noch mehr drin gewesen. Wer so hübsch rumpelnde Streicherintros fabriziert wie in "All I ever wanted" und so lässig unmorbide am "Graveyard near the house" vorbeispaziert, dem sind spannende Dinge zuzutrauen.

Dieses Mal aber steht der Hörer eben auch verwirrt vor einem Song wie "Welcome to your wedding day" und fragt sich vorsichtig, welcher Teenie-Band dieses grelle Synthie-Make-Up ursprünglich zugedacht war, das so befremdlich an ein kleines Mädchen beim Spielen mit Mamas Schminkutensilien erinnert. Nicht ganz der Treffer ins Schwarze, den "All at once" so landet, aber allemal genug, um Hoffnung und Neugier auf die nächste Runde musikalisches Mutiltasking zu wecken. Alt+Tab. Alt+Tab. Alt+Tab.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • The kids are ready to die
  • The graveyard near the house

Tracklist

  1. All at once
  2. Numb
  3. Changing
  4. All for a woman
  5. It doesn't mean a thing
  6. The kids are ready to die
  7. Hail of something else
  8. Strange girl
  9. All I ever wanted
  10. The graveyard near the house

Gesamtspielzeit: 44:09 min.

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