13 & God - Own your ghost

13 & God- Own your ghost

Alien Transistor / Indigo
VÖ: 06.05.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Harter Knochen

"Mehr Licht!" forderte Goethe auf dem Sterbebett. 13 & God bewegen sich genau in diesem Spannungsfeld zwischen Leben und Tod. Zumindest thematisch, denn "Own your ghost" ist todtraurig und gleißend hell, versponnen und radikal. The Notwist und Themselves, die hier ihr gemeinsames Projekt weiterführen, haben sich in der jüngeren Vergangenheit ein paar ihrer verschmitzten Ideen über den Atlantik geschickt und so am zweiten Langspieler der Formation geschraubt. Der Titel ist der theoretische Überbau, während die Musik auch losgelöst funktioniert. Ein beängstigender Trip.

Da hört sich "Oldage" wie ein "Neon golden"-Stützfeiler an, während "Et tu" eine beängstigende Ausgeburt der Ambient-Hip-Hopper ist, doch liegt der Ausgangspunkt im Dunkeln. Es wird viel geknistert und verhallt, gesampelt und verschachtelt. Die Kreuzung von experimentellem Indie-Pop mit experimentellem Psychedelic-Hip-Hop funktioniert bei 13 & God so gut und ist so einleuchtend, dass die Vielseitigkeit und Komplexität des Albums kaum auffällt.

Im Doppel gelingt den beiden Bands ein Kunststück: Die Räume sind offener und größer, die Songs überraschender und konsequenter. Das geglückte Zusammenspiel gipfelt im flimmernden "Unyoung", das die Traurigkeit, die in der Stimme von Markus Acher liegt, mit resigniertem Sprechgesang kreuzt, sodass sich ein melancholischer Brocken aus dieser elektronischen Nebelwelt schält. Das klingt so gespenstisch und verstörend, dass man diese seltsam entrückte Collage für die ganz üblen Tage als Soundtrack abspeichert.

Das eigentliche Meisterwerk von "Own your ghost" ist die zunächst unspektakulär wirkende, bald aber aufblühende Krautrock-Illusion "Death minor", die in eine schauerliche Parallelwelt entführt. Die Geräuschkulisse ist vielseitig und spannungsreich, der Beat beunruhigend. Man würde am liebsten mit einer Machete alles niedermähen, um zum Kern dieses Stücks, ja des ganzen Albums vorzudringen. Doch ehe man sich versieht, steckt man bis zu beiden Ohren in dieser farbenfrohen, traurigen Welt von 13 & God. Hier gibt es Meditation und Transzendenz. Das Skelett auf dem Cover zeigt es an: ein sehr guter Wurf.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Oldage
  • Et tu
  • Death minor
  • Unyoung

Tracklist

  1. It's own sun
  2. Death major
  3. Armored scarves
  4. Janu Are
  5. Oldage
  6. Et Tu
  7. Death minor
  8. Sure as dept
  9. Beat on us
  10. Unyoung

Gesamtspielzeit: 38:52 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
afromme
2012-05-26 00:10:07 Uhr
Hat das hier wirklich nur 7/10 bekommen?
Nach wie vor eines meiner meistgehörten 2011er Alben.
Beat on us allein rechtfertigt schon 8/10 fürs Album als Minimum.
Gut, dafür bekommen halt I Like Trains 9/10.
Schorsch
2012-05-25 23:39:55 Uhr
Also das muss ich auch noch nachreicheichen: Ist mit 7/10 unterbewertet, vor allem scheint der grandiose Endspurt der Platte etwas übersehen worden zu sein (Sure as debt und Beat on us sind Hammer-Stücke!). Bin mal wieder stolz auf unsre Weilheimer & ihre Co's!
Storr der Schnitter
2011-12-18 12:49:41 Uhr
Lieblingsalbum des Jahres.
Ob wohl Notwist in absehbarer Zeit auch wieder ein Album veröffentlichen werden?
Cow Virus
2011-05-25 13:36:23 Uhr
Live sehr zu empfehlen. Hab sie in Berlin im Lido gesehen und war von der Power total überrascht. Es rumst und rockt viel mehr als auf den Platten und der Rapper von Themselves wirkt wie der Eminem aus der Nervenheilanstalt. Im ganz und gar positiven Sinne ;>.
Für das eigentlich ja sehr düstere Flair der Platten war die Liveperformance locker und spassorientiert....auf einem sehr hohen musikalischen Niveau.
embele
2011-05-14 10:57:48 Uhr
Das Album ist in sich geschlossener, will sagen mehr aus einem Guss. Gefällt mir nach wie vor sehr. Ich bin eigentlich nicht so im Hip Hop verwurzelt, aber den Beitrag von Themselves finde ich großartig. Schon auf dem Debut wußte die Kombination zu überzeugen. Hier sind die melancholischen Einflüsse Notwists noch etwas zurückhaltender als auf der ersten Scheibe. Dafür knistert die Scheibe an allen Ecken.
KLasse Album 2011.
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